Litanei vom Heiligsten Herzen Jesu

Herr, erbarme dich unser.
Christus, erbarme dich unser.
Herr erbarme dich unser.
Christus, höre uns – Christus erhöre uns.

Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser.
Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser.
Gott Heiliger Geist, erbarme dich unser.
Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich unser.

V. Herz Jesu, des Sohnes Gottes  A. erbarme Dich unser.
Herz Jesu, im Schoße der Jungfrau Maria vom Heiligen Geiste gebildet
Herz Jesu, mit dem Worte Gottes wesenhaft vereinigt
Herz Jesu, unendlich erhaben
Herz Jesu, Du heiliger Tempel Gottes
Herz Jesu, Du Zelt des Allerhöchsten
Herz Jesu, Du Haus Gottes und Pforte des Himmels
Herz Jesu, Du Feuerherd der Liebe
Herz Jesu, Du Wohnstatt der Gerechtigkeit und Liebe
Herz Jesu, voll Güte und Liebe
Herz Jesu, Du Abgrund aller Tugenden
Herz Jesu, würdig allen Lobes
Herz Jesu, Du König und Mitte aller Herzen
Herz Jesu, in dem alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis sind
Herz Jesu, in dem die ganze Fülle der Gottheit wohnt

V. Herz Jesu, das dem Vater wohlgefällt  A. erbarme Dich unser.
Herz Jesu, aus dessen Gnade wir alle empfangen
Herz Jesu, Du Sehnsucht der Schöpfung von Anbeginn
Herz Jesu, geduldig und von voll Erbarmen
Herz Jesu, reich für alle, die dich anrufen
Herz Jesu, Du Quell des Lebens und der Heiligkeit
Herz Jesu, Du Sühne für unsere Sünden
Herz Jesu, mit Schmach gesättigt
Herz Jesu, wegen unserer Missetaten zerschlagen
Herz Jesu, bis zum Tode gehorsam
Herz Jesu, durchbohrt von der Lanze
Herz Jesu, Du Quell allen Trostes
Herz Jesu, unsere Auferstehung und unser Leben
Herz Jesu, unser Friede und unsere Versöhnung
Herz Jesu, Du Opferlamm für die Sünder
Herz Jesu, Du Rettung aller, die auf dich hoffen
Herz Jesu, Du Hoffnung aller, die in dir sterben
Herz Jesu, Du Freude aller Heiligen

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt – verschone uns, o Herr
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt – erhörte uns, o Herr
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt – erbarme dich unser
Jesus, gütig und selbstlos von Herzen – bilde unser Herz nach deinem Herzen

Lasset uns beten:
Allmächtiger, ewiger Gott, schau hin auf das Herz deines geliebten Sohnes und auf das Lob und die Sühne, die es dir für die Sünder darbringt. Verzeihe allen, die deine Barmherzigkeit anflehen, im Namen deines Sohnes Jesus Christus, der mit dir lebt und herrschtvon Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Warum wir mit der „Piusbruderschaft“ solidarisch sein müssen

Priesterweihen in Zaitzkofen Bild: FSSPX (Screenshot)

Ich bin überzeugt, dass sich die Kirche durch die FSSPX erneuert

Von P. Joachim Heimerl von Heimthal*

Vielleicht geht es Ihnen wie mir? Ich gehöre nicht zur Priesterbruderschaft St. Pius X., verfolge aber aufmerksam ihr Wirken und bin dankbar dafür. Ohne die Bruderschaft würde die überlieferte Messe heute vergessen sein und ich selbst hätte sie nie kennengelernt.

Regelmäßig erhalte ich eine Aussendung der Piusbruderschaft und lese sie mit persönlichem Gewinn. Noch nie habe ich darin etwas gefunden, was dem katholischen Glauben widerspricht oder ihn verfinstert, während dies in den offiziellen Texten der Kirche und des Papstes permanent geschieht. An der Katholizität der Bruderschaft besteht kein Zweifel; erst kürzlich hat sie ein beeindruckendes „Glaubensbekenntnis“ vorgelegt, das jene Grundpositionen zusammenfasst, die die Kirche immer gelehrt hat, die sie heute aber kaum mehr teilt. Dieses „Glaubensbekenntnis“ macht wie ein Ausrufezeichen deutlich, wie groß der Glaubensabfall geworden ist, der gegenwärtig die Kirche erfasst. Zwei Beispiele verdeutlichen dies:

Dass der Herr mit seinem Blut einen neuen und ewigen Bund gestiftet hat, bezeugen die Evangelien und bekräftigen die Wandlungsworte, die der Priester in der Heiligen Messe betet. Dass mit diesem Bund der Bund Gottes mit dem Volk Israel aufgehoben wurde, hat die Kirche nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift immer bekräftigt. Heute empfindet sie dies als anstößig und monopolistisch, und wirft bösartig jenen „Antisemitismus“ vor, die auf ihre bisherige Lehre bestehen.

Leider gilt dies auch für die geoffenbarte Wahrheit, dass es außerhalb des neuen Bundes kein Heil gibt, und dass es nur die katholische Kirche ist, die dieses Heil in den Sakramenten spendet. Insbesondere geschieht dies in der Heiligen Messe, von der die Piusbruderschaft bekennt: „Die heilige Messe ist die Fortführung des Kreuzesopfers in der Zeit, dargebracht für viele und erneuert auf dem Altar. Obwohl auf unblutige Weise dargebracht, ist das heilige Messopfer seinem Wesen nach sühnend und versöhnend. Kein anderer Kult bewirkt die vollkommene Anbetung. Kein anderer Kult, der nicht mit ihm in Verbindung steht, ist Gott wohlgefällig. Kein anderes Mittel ist hinreichend für die Heiligung der Seelen. Folglich kann das heilige Messopfer in keiner Weise auf ein bloßes Gedächtnis, auf ein geistiges Mahl oder auf eine vom Volk gefeierte heilige Versammlung reduziert werden; ebenso wenig auf eine Feier des Ostergeheimnisses ohne Opfer, ohne Genugtuung gegenüber der göttlichen Gerechtigkeit, ohne Sühne für die Sünden, ohne Versöhnung und ohne Kreuz.“

Klarer kann man die Lehre der Kirche nicht auf den Punkt bringen, und ich erinnere mich nicht, jemals Vergleichbares gehört zu haben, weder von den allermeisten Bischöfen noch von den Päpsten unserer Zeit. Im Gegenteil: Ich bin nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil geboren und habe meine katholische Sozialisation – pardon – mit einer ungeheuren Lüge erfahren, die ich wie viele lange nicht als Lüge erkannte und die mich heute umso mehr entsetzt. Ich meine die Lüge von der angeblichen Kontinuität, die Lüge, die besagt, die Kirche sei nach DEM Konzil dieselbe geblieben und habe Lehre und Liturgie nicht wesentlich verändert. Wer das „Glaubensbekenntnis“ der Piusbruderschaft liest, erkennt wie in einem Spiegel, dass dem nicht so ist, und gerade die „neue“ Messe unterstreicht mit ihrer nicht-katholischen Grundausrichtung eben dies. Fast scheint es, die Kirche gleiche heute einer Trümmerlandschaft und ihr Glaube wirke wie eine Ruine.

Dass die Piusbruderschaft in dieser Situation beschlossen hat, eigene Bischöfe zu weihen, ist verständlich, und ich bin froh, dass sie das tut. Wenn dies ohne päpstliches Mandat geschieht, illustriert dies lediglich die desolate Situation der Kirche. Dazu gehört auch, dass dies die „Exkommunikation“ zur Folge haben wird.

Auf die „Exkommunikation“ kommt es allerdings nicht (mehr) an. Stattdessen wäre zu fragen, ob man diejenigen überhaupt wirksam exkommunizieren kann, die als Einzige den katholischen Glauben bekennen, während Päpste Häresien verkünden und ihre Knie vor falschen Götzen beugen. Ich denke, vor Gott dürfte eine solche „Exkommunikation“ keinen Bestand haben, und schon deshalb ist niemand gezwungen, sie sich zu eigen zu machen. Dies übrigens umso weniger, als heute im Allgemeinen niemand mehr exkommuniziert wird, auch nicht wegen Häresie und Apostasie, nicht einmal die Bischöfe in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Mit der voraussichtlichen „Exkommunikation“ der Piusbruderschaft stürzt allerdings ein weiteres Lügengebilde zusammen: Die Kirche, die sich „synodal“ und „ökumenisch“ als „everybody’s darling“ gibt, erweist sich als mit sich selbst zerfallen und als erbitterte Feindin ihrer eigenen Tradition. Letztlich hat sie sich damit von der Offenbarung Gottes abgewandt und stellt dies täglich unter Beweis.

Aus diesem Grund ist die Frage nach den Bischofsweihen der Piusbruderschaft eine Anfrage an uns selber: Auf welcher Seite stehen wir? Auf der Seite des neuen, pseudo-katholischen Glaubens der nachkonziliaren Kirche und damit auf derjenigen der „neuen“ Messe? Oder auf der Seite des überlieferten Glaubens, der sich nur in der traditionellen Messe ausdrückt und nirgendwo sonst? Einen bequemen Mittelweg gibt es nicht, und auch die traditionellen Gemeinschaften, die pro forma das Zweite Vatikanische Konzil anerkennen, scheiden bei der Beantwortung dieser Frage letztlich aus; es geht um alles oder nichts.

Schon deshalb darf es keine Rolle spielen, ob wir uns mit unserer Unterstützung der Piusbruderschaft selber die „Exkommunikation“ zuziehen. Vielmehr ist es ein Gebot der Solidarität und der Aufrichtigkeit, hier eine klare Haltung einzunehmen. Dazu gehört für alle, die sich zur Tradition bekennen, dass sie sich von den Irrtümern distanzieren, die in der Kirche um sich greifen, und auch, dass sie diese – etwa über die Kirchensteuer – nicht mehr finanzieren. Darüber hinaus ist es wichtig, ein persönliches Zeugnis für den katholischen Glauben abzulegen, das heute nur lauten kann: „Je suis Pie X.!“

Danken wir Gott, dass es die Piusbruderschaft gibt, denn ohne sie wäre die Tradition verloren. – Gewiss: Auch die Piusbruderschaft ist keine „societas perfecta“ (welche Gemeinschaft ist das schon?), aber ich bin davon überzeugt, dass sie den Glauben der Kirche nicht nur bewahrt, sondern dass sich die Kirche durch sie erneuert. Es ist unübersehbar: Überall wo die überlieferte Messe gefeiert wird, blüht die Kirche auf, und ohne die Priesterbruderschaft St. Pius X. wäre dies niemals geschehen.

*Joachim Heimerl von Heimthal, Priester der Erzdiözese Wien, studierte Germanistik, Geschichte, Philosophie und Theologie. Er ist promovierter Germanist und war Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Neben literaturwissenschaftlichen Arbeiten ist er Autor zahlreicher Aufsätze und Kommentare zu kirchlichen Themen in in- und ausländischen Medien.

Papst Leo XIV.: „Gott sucht Friedensstifter!“

Papst Leo XIV. © CFM.SCJ

Auch in Zeiten des Krieges wird Papst Leo XIV. zufolge Frieden möglich, wenn Menschen auf den Schrei jener hören, die keinen Frieden haben: den Schrei schuldloser Kinder, verzweifelter Eltern, misshandelter Gefangener und Flüchtlinge. „Sie alle haben nur ein einziges Wort auf den Lippen: Frieden!“, erklärte der Papst bei einem Rosenkranzgebet für den Frieden in den Vatikanischen Gärten.

Seine Heiligkeit Papst Leo XIV. leitete erneut ein großes Friedensgebet, das diesmal zugleich den Abschluss des Marienmonats Mai markierte. Die Andacht fand vor der Nachbildung der Lourdesgrotte in den Vatikanischen Gärten statt, gebetet wurde der freudenreiche Rosenkranz. 2000 Menschen waren gekommen, um mitzubeten, andere sahen über die Großbildschirme auf dem Petersplatz zu, bei denen auch Gebetsmomente aus 16 in Live-Schalte teilnehmenden Wallfahrtsorten eingeblendet wurden. Die Vatikanmedien übertrugen das Friedensgebet aus dem Vatikan in acht Sprachen live. Insgesamt 100.000 Menschen nahmen Angaben des Dikasteriums für die Evangelisierung letztlich dank der Übertragung in über 200 Wallfahrtsorten weltweit teil.

Am Ende des Rosenkranzes ergriff Papst Leo XIV. das Wort. „Gott sucht Friedensstifter!“, erklärte er. Frieden sei weder eine Theorie noch etwas, das „interessengeleitet gehandhabt werden kann“, sondern vielmehr eine tägliche Aufgabe im Leben jedes und jeder einzelnen. „Jeder kann und muss seinen Teil dazu beitragen“, stellte der Papst klar. Der Frieden fange an „mit kleinen, aber wichtigen Dingen“, etwa mit dem Vermeiden von jeder sprachlichen oder körperlichen Gewalt, „im Alltag und auch in den sozialen Medien“.

Friede sei immer möglich, denn er sei ein Geschenk Gottes. Das Gebet um den Frieden sei deshalb ein Auftrag und eine Prophezeiung. „Es darf in unseren Städten kein Weinen Unschuldiger mehr geben; niemand soll wegen der Bedrohung durch Bomben aus seinem Zuhause fliehen müssen; Machtgier und verbale Gewalt werden dem Durst nach Gerechtigkeit und Wahrheit weichen“, so der Papst.

Freilich brauche es auch eine Offenheit für Gott, um Frieden zu finden, so der Papst weiter. „Wenn wir uns wie wahre Jünger seiner Liebe verhalten, dann vermag der Heilige Geist das zu vollbringen, was menschlich gesehen unmöglich erscheint.“ Wer sich hingegen von Gott entferne, bleibe gleichgültig gegenüber dem Leid der anderen.

Der Rosenkranz für den Frieden von Papst Leo XIV. war als „Geste der Verbundenheit“ mit allen Ländern im Krieg angelegt. Die vatikanische Evangelisierungsbehörde hatte Wallfahrtsorte auf der ganzen Welt dazu eingeladen, sich mit eigenen, synchronen Gebeten zu beteiligen.

Quelle: vaticannews

Fronleichnam 2026

© CFM.SCJ Kongregation der Herz Jesu Franziskaner
© CFM.SCJ Kongregation der Herz Jesu Franziskaner
© CFM.SCJ Kongregation der Herz Jesu Franziskaner
© CFM.SCJ Kongregation der Herz Jesu Franziskaner

Pfingstpredigt von Erzbischof Ratzinger 1978

Pfingst-Predigt von Joseph Ratzinger, Erzbischof von München, am 14. Mai 1978:

Liebe Brüder und Schwestern,
der Heilige Geist kam auf die Jünger, als sie an einem Ort versammelt waren, so berichtet uns die Lesung aus der Apostelgeschichte, die wir gerade gehört haben. Sie will uns damit etwas sagen über die Voraussetzung seines Kommens und zugleich über die Zeichen seiner Nähe.

Wenn wir den ganzen Bericht im Zusammenhang lesen, erfahren wir mehr darüber. Dort wird uns gesagt, dass Jesus vor seinem Scheiden den Jüngern auftrug, zunächst nichts aus Eigenem zu tun, sondern beieinander zu bleiben und die Gabe des Heiligen Geistes abzuwarten. Und so versammelt sich die kleine Schar der Glaubenden, zusammen mit Maria und den inzwischen durch die Wahl des Matthias wieder zur Zwölfzahl ergänzten Aposteln.

Sie wussten, dass ihr Beieinandersein, dass ihre Eintracht, die Voraussetzung für Pfingsten war. Und sie erkannten, dass wiederum die Voraussetzung für die Eintracht das Gebet ist. Denn nur das Gebet und nicht die raffinierteste Psychotechnik kann jenen seelischen Grund in uns freilegen, in dem wir einander berühren, in dem wir miteinander verträglich sind, in dem Friede und Einheit sind.

Eintracht ist die Voraussetzung für die Gabe des Geistes und Gebet die Voraussetzung der Eintracht. Aber auch dies andere, das wir hörten, das wartende Offenstehen auf den Herrn, gehört dazu. Und hier gerade muss die Kirche unserer Zeit – wie mir scheint – ganz neu lernen.

Der Brauch des pfingstlichen Rosenregens im Pantheon hat eine lange Tradition. Im Jahr 609, als Papst Bonifatius IV. die Pfingstmesse im Pantheon zelebrierte, soll bei seiner Predigt ein Rosenregen „wie Feuerzungen“ auf die Gläubigen niedergegangen sein. Daraus entstand der Brauch des pfingstlichen Rosenregens. Ein Regen aus roten Blütenblättern der „Königin der Blumen“ geht auf die Gläubigen nieder. 

Es gibt sehr viel Aktivität in der Kirche von heute. Es gibt einen Fleiß, der die Menschen bis an die Grenzen ihrer Kräfte, und oft darüber hinaus, beansprucht. Aber es gibt kaum noch jenes stille Verweilen vor dem Worte Gottes, in dem sich unser Wollen und Tun entkrampfen und gerade so frei und fruchtbar werden. Gewiss, der HERR braucht unseren Fleiß und unsere Hingabe. Aber wir brauchen seine Gegenwart.

Wir müssen den Mut zum Ungetanen, und so die Demut des Wartens vor dem Worte, neu lernen. Denn sehr oft würde eine einzige Stunde des stillen Hineinhörens in Gottes Wort mehr wirken als ganze Tagungen mit Sitzungen und Diskussionen. Und ein Augenblick des Gebetes würde fruchtbarer sein als ganze Stöße von Papieren.

Misstrauen wir der Kraft Gottes?

Mitunter entsteht der Eindruck, dass hinter der übersteigerten Hektik unserer Aktivitäten ein Misstrauen gegenüber der Kraft Gottes steht. Und hinter der Vermehrung unserer Werke ein Lahmwerden unseres Glaubens, indem wir letzten Endes doch nur auf das vertrauen, was wir selber leisten und bewerkstelligen.

Aber wir wirken gar nicht nur durch das, was wir machen, sondern nicht minder durch das, was wir sind, wenn wir reif und frei und wahr werden dadurch, dass wir die Wurzeln unseres Seins in die fruchtbare Stille Gottes hineinhalten.

Der Heilige Geist wird in der heutigen Lesung vornehmlich unter zwei Bildern dargestellt: unter dem Bild des Sturmes und unter dem Bild des Feuers. Sturm ist vor allen Dingen ein Ausdruck für Macht – für die alte Welt ein Zeichen der Macht Gottes, der die Welt herumwirbelt und die Sterne bewegt, als ob sie Sandkörner wären.

Aber in diesem Bild des Sturmes verbirgt sich noch ein zweiter Gedanke; er ist nämlich auch Ausdruck für eines der vier Lebenselemente – das Element der Luft, das diese unsere Erde von allen anderen Gestirnen unterscheidet und sie zum Stern des Lebens macht.

Nur wo Luft ist, haben Lungen Sinn. Nur wo sie ist, kann geatmet werden, kann Leben sein. Was dieses geheimnisvolle Element der Luft für biologisches Leben bedeutet, das ist das Heilige, der Heilige Geist, für jedweden Geist. Nur wo er geatmet wird, kann Menschsein, kann Humanität bestehen, kann Geist wirklich leben.

Vergiftung von Herz und Geist

Wir lesen in den Zeitungen heute sehr viel von der Luftverschmutzung, die durch unsere Zivilisation eintritt. Und in den Ballungsräumen können wir auch, ohne solches zu lesen, durch eigene Erfahrung bemerken, dass wir in und mit dem Lebenselement Luft auch die Gifte einatmen, die das Leben zerstören. Aber von der geistigen Umweltverschmutzung, die die Atmosphäre zerstört, in der Geist leben kann, davon sprechen wir nicht.

Und dabei sind die Vergiftungen des Herzens und des Geistes, die durch solche seelische Umweltvergiftung entstehen, weit alarmierender als die Erkrankungen, die durch die physische Luftverschmutzung stattfinden.

Bei einer Firmreise ist mir berichtet worden, dass an dem betreffenden Ort ein Drittel aller Kinder verhaltensgestört sind, weil sie Liebe nicht einatmen können, die das Urelement ist, dessen der Mensch zu seinem Wachsen und zu seinem Sein bedarf.

Dass in der westlichen Welt Filme voller Gewalt und Verachtung des Menschen als etwas ganz Normales erscheinen, ist ein Zeichen, wie sehr wir uns daran gewöhnt haben, den Menschen mit Kot zu bewerfen, seine Würde zu verhöhnen und mit Füßen zu treten.

Wir sagen uns dabei: Dies ist eben Freiheit. Aber dass die Würde des Menschen zu zertreten und das Gemeine als normal hinzustellen zur Gewohnheit geworden ist und dass wir uns dabei irgendwelche schönen ideologischen Ausreden zimmern, ändert nichts daran, dass dabei die seelische Luft vergiftet wird, in der wir atmen müssen.

Gewiss, wo von innen her die Würde des Menschen nicht gegen solche Missbräuche schützt, sind auch Verbote sinnlos. Umso mehr müssen wir es als Christen als unseren Auftrag ansehen, uns um die reine Luft des Heiligen Geistes zu bemühen, der geistigen Umweltverschmutzung entgegenzutreten und in der Gemeinschaft der Glaubenden Oasen des Atmens und des Aufatmens für Herz und Seele zu schaffen.

Das zweite Bild für den Heiligen Geist in unserer Lesung ist das Feuer. Wenn in der alten Welt Luft als das Grundelement des Lebens erschien, so gilt Feuer als das Element, auf dem die Kultur beruht; also die Voraussetzung dafür, dass wir selbst Erde bebauen, formen und gestalten können.

Gottes Bild oder nur unser eigenes Bild sein wollen?

Feuer ist Licht, Wärme, Dynamik, die verwandeln kann. Aber es ist zugleich auch das Element der Zerstörung, des Untergangs, wo es aus der Kontrolle gerät. In der alten Welt wurde es als ein Stück von der Sonne, als das Element der Götter angesehen. Darauf, dass der Mensch darüber verfügen kann, beruhte es, dass man ihn für gottähnlich ansah.

Die griechische Welt hat den Mythos von Prometheus geschaffen, der den Kampf gegen die Götter führt, das Feuer vom Himmel herunterholt, auf die Erde bringt und damit eine neue Welt eröffnet.

Goethe hat dieses Pathos in seinem Prometheusgedicht in erregende Worte gegossen:

„Hier sitz’ ich, forme Menschen nach meinem Bilde. Ein Geschlecht, das mir gleich sei, zu leiden, weinen, genießen und zu freuen sich. Und dein nicht zu achten, wie ich!“

Dies ist geradezu zum Programm der Neuzeit geworden: Nicht Gottes Bild, sondern nur unser eigenes Bild sein zu wollen; die Macht über die Welt uns selbst zu geben und seiner, Gottes, nicht zu achten dabei und nichts von ihm zu erwarten.

Aber nun, da es uns gelungen ist, das Feuer aus dem Himmel und aus der Tiefe, aus der Materie des Atoms zu reißen, beginnt doch die Frage, ob wir dabei die Erde nicht verbrennen, ob nicht das Element der Kultur und des Schöpfertums in unseren Händen umschlägt in das Element der Zerstörung und der Vernichtung.

Pfingsten sagt uns, dass der Heilige Geist Feuer ist und dass Christus der wahre Prometheus ist, der das Feuer vom Himmel geholt hat.

Ja, der Mensch soll Feuer haben, er soll nicht in einem langweiligen Dasein dahinvegetieren, er ist dazu geschaffen, Gott ähnlich zu sein, aber dieses Feuer als Kraft des Heiles bringt nicht der Titan, der Gott beiseite wischt, sondern der Sohn, der sich dem Feuer der Liebe aussetzt und damit die Mauern der Feindschaft niederlegt und so Feuer zur Kraft der Verwandlung, der Liebe und einer neuen Welt werden lässt.

Christentum ist Feuer. Es ist nicht eine langweilige Angelegenheit, ein frommer Wortschwall, mit dem wir uns an jeden Wagen anhängen können, um auch noch dabei zu sein. Christentum verlangt von uns die Leidenschaft des Glaubens, die zur Leidenschaft Jesu Christi steht und von ihr her die Welt erneuert.

Der Heilige Geist überwindet die Furcht. Die Jünger, die sich eben noch – wie wir im Evangelium hörten – hinter verschlossenen Türen vor den Juden versteckten, die ihren HERRN gekreuzigt hatten und ja auch sie verhaften und hinrichten hätten können, diese Jünger treten heraus, furchtlos und verkünden die Botschaft von Christus, dem Gekreuzigten, ohne Angst, weil sie sich in den Händen des Stärkeren wissen

Wo der Glaube schwindet, wächst die Angst

Ein Priester, der einige Zeit in Afrika in einem Gebiet verbringen konnte, das noch kaum vom Christentum und von der europäischen Zivilisation berührt ist, hat mir erzählt, dass das Erschütternde und Bewegende dieser Erfahrung für ihn die lähmende Furcht gewesen ist, die das ganze Leben dieser Menschen beherrscht, die eigentliche Prägemarke des Heidentums, in dem der eine Gott nicht erschienen ist.

Sie fürchten sich vor den Geistern der Toten, sie fürchten sich vor unbekannten Geistern, sie fürchten sich vor der Unberechenbarkeit der bekannten Geister.

Das ganze Leben ist ein Kalkül der Furcht, des Auskommenkönnens mit den unheimlichen Mächten, denen der Mensch fast waffenlos gegenübersteht.

Der Heilige Geist überwindet die Furcht. Eine Welt des Heiligen Geistes ist nicht geprägt durch unbekannte Geister und Mächte, sondern durch den Geist, der die Liebe und als Liebe die Allmacht ist. Deswegen ist Furchtlosigkeit das Zeichen für den Heiligen Geist, der uns in die Hände der allmächtigen Liebe gibt. 

Und deswegen kann auch der Glaube, wo er gesund ist, furchtlos sich den Mächten der Welt entgegensetzen, weil er sich von dem geführt und behütet weiß, der als der Stärkere den Starken gefesselt hat (vgl. Mk 3,27).

Und es ist nicht so, wie es hingestellt wird, als ob in einer Welt, die den Glauben endgültig beiseite wischt, dann endlich die reine Vernunft und die reine Furchtlosigkeit aufstünden. Wo der Glaube verschwindet, muss der Mensch wieder beginnen, sich vor den unbekannten Mächten des Schicksals, der Zukunft, der Natur zu fürchten, die er nicht bannen kann, sondern nur der, der das All geschaffen hat und es in seinen Händen trägt.

So wollen wir an diesem Pfingsttag bitten, dass der Heilige Geist zu uns komme und das Angesicht der Erde erneuere.