Von Bischof Athanasius Schneider
Von Bischof Athanasius Schneider

Liebe Mitbrüder, liebe Seminaristen, liebe Schwestern und liebe Gläubige,
was für eine Freude, die Soutanen von zweiundzwanzig neuen Seminaristen segnen zu dürfen – an diesem gesegneten Tag, an dem unser Herr zum ersten Mal zum Tempel, zu seinem Altar geht, um äußerlich die Hingabe seiner selbst, seines Lebens zu bekunden: „Hier bin ich, um deinen Willen zu tun. Das ist der Grund, warum ich Mensch geworden bin und heute offenbare ich mich.“
So weit wie möglich müssen diese vollkommenen Gesinnungen Unseres Herrn auch die Gesinnungen eines jungen Mannes sein, der sein Leben Unserem Herrn weihen möchte, um eines Tages zum Altar emporzusteigen.
Welch schönes Beispiel! Es ist das Vorbild, dem wir unser ganzes Leben lang folgen sollen. Und dies geschieht in Einheit: in Einheit mit Unserer Lieben Frau und in Einheit mit Unserem Herrn. Unsere Liebe Frau, die Unbefleckte, die allzeit reine Jungfrau, unterwirft sich dem Ritus der Reinigung gemäß dem Gesetz des Moses. Niemals war oder wird ein Geschöpf so rein sein wie die allerseligste Jungfrau, doch aus Demut unterwirft sie sich diesem Ritus. Und man bringt zwei Tauben als Opfergabe, eine für das Brandopfer und eine für das Sündopfer; und sie wird gereinigt. Dies war die Opfergabe der Armen.
Unser Herr selbst wird losgekauft, weil er als Erstgeborener Gott gehörte, und er wird durch die Zahlung einer kleinen Summe von fünf Schekel, fünf Münzen, losgekauft. Er, der selbst der Erlöser und der Preis für unsere Erlösung war, akzeptiert es, durch einige Münzen losgekauft zu werden. Welche Demut! Er war streng genommen nicht verpflichtet, für diesen Ritus nach Jerusalem zu gehen. Juden, die weit entfernt wohnten, konnten dies durch einen Bevollmächtigten tun lassen. Aber die Heilige Familie will das Gesetz aus Gehorsam erfüllen.
Was für ein großartiges Beispiel! Schon jetzt zeigt sich Unser Herr als gehorsam; gehorsam bis zum Tode. Wir kennen die Vollkommenheit seiner inneren Haltung. Er ist schon bereit, alles für unsere Erlösung hinzugeben um den Gehorsam gegenüber seinem Vater zu erfüllen, um dessen Willen zu erfüllen. In diesem Kontext der bereits vollkommenen Aufopferung haben wir ein Vorspiel des Kreuzes, des Leidens.
In dieser Szene, die so einfach und scheinbar so gewöhnlich ist, aber in den Augen Gottes so einzigartig, weil dort die Erlösung bereits begonnen hat – in dieser Szene erscheint Simeon. Der alte Mann ergreift das Wort und seine Rede besteht aus zwei gegensätzlichen Teilen. Zunächst die Freude – die Freude, Unseren Herrn zu sehen, ihn in die Arme zu schließen. Eine Freude, die dem Verlangen entspricht, das er bis zu diesem Tag gehabt hat. „Ich habe ihn gesehen, endlich habe ich den Retter gesehen, die Erlösung Israels, ich habe ihn gesehen!“
In der Ewigkeit werden wir nichts anderes tun, als das zu betrachten, was Simeon während diesen Augenblicken in seinen Armen betrachtete: das Heil, den Erlöser, der seit jeher von der göttlichen Vorsehung bereitet war. Die Menschwerdung war, wenn man so sagen darf, im Geiste Gottes für alle Völker bestimmt – ante faciem omnium populorum, lumen ad revelationem gentium:
Er ist der einzige Retter, der allen Völkern und allen Rassen ohne Unterschied geschenkt und angeboten wird. Welche Freude! Welche Freude in den Augen und Worten dieses Greises: dieses Licht, um die Wahrheit zu lehren, den einzigen Weg des Heils.
Nun, diese Freude Simeons, dieses Licht, wird plötzlich unterbrochen durch eine Ankündigung an die Muttergottes und den Heiligen Josef. Er wendet sich ihnen zu, segnet sie und sagt ihnen in ganz anderem Tonfall etwas, das natürlich mit dem Vorhergehenden zusammenhängt. Was sagt er ihnen konkret? Er sagt ihnen, dass die Erlösung der Menschheit durch dieses Kind geschehen wird – unter Leiden, am Kreuz und durch die Passion. Dieses Kind wird ein Zeichen des Widerspruchs sein. Das ist eine sehr schöne Definition Unseres Herrn. Er ist ein Zeichen des Widerspruchs.
Was bedeutet das in einer etwas moderneren Sprache? Es bedeutet, dass Unser Herr nichts verbirgt. Er ist ein Zeichen des Widerspruchs. Unser Herr bekräftigt die Wahrheit. Er offenbart sie durch sein Wort und bestätigt sie durch seine Wunder. Er bietet sie an und sagt klar und deutlich, dass dies der einzige Weg zum Heil ist. Es gibt keinen anderen. Warum sagt er das? Weil er die Seelen nicht täuschen kann. Er ist nicht in diese Welt gekommen, um die Seelen zu täuschen. Er ist gekommen, um sie zu retten. Er offenbart die Wahrheit. Er wird verfolgt werden. Und auch diejenigen, die ihm folgen, werden ein Zeichen des Widerspruchs sein. Man muss sich entscheiden. Man kann Unserem Herrn gegenüber nicht gleichgültig bleiben. Man kann der Erlösung gegenüber nicht gleichgültig bleiben.
Wer gleichgültig bleibt, hat sich bereits für eine Seite entschieden.
Simeon sagt das ganz klar. Was sagt er in seiner Prophezeiung? Er sagt: All dies, diese Offenbarungen Unseres Herrn in seiner Erlösung, all dies wird geschehen, damit die Gedanken vieler Herzen offenbar werden. Was bedeutet das? In welchem Sinne werden die Gedanken der Herzen der Menschen offenbar werden? – In dem Sinne, dass niemand gegenüber Unserem Herrn wirklich gleichgültig bleiben kann. Man muss sich entscheiden. Das ist ein Zeichen des Widerspruchs. Und Unser Herr selbst wird eines Tages sagen: „Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich. Und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.“
Und diese Offenbarung des Geheimnisses der Erlösung, die durch die Leiden Unseres Herrn erfolgen wird, wird von einem weiteren Leiden begleitet sein. Gott wollte, dass die Muttergottes an diesem Werk beteiligt ist. Und dass die Rolle der Muttergottes an der Seite Unseres Herrn gleichzeitig mit der Rolle Unseres Herrn den Menschen offenbart wird. Simon wendet sich Maria mit den Worten zu: „Ein Schwert des Schmerzes wird dein Herz durchbohren. Deine Seele wird von einem Schwert durchdrungen werden.“ Welch ein Geheimnis verbirgt sich hinter diesen Worten! Ein Geheimnis, das wir ergründen können, ein Geheimnis, das der Kirche sehr am Herzen liegt. Es ist das Geheimnis der Miterlösung, der Verbindung Unserer Lieben Frau mit dem Werk Unseres Herrn.
Hier versteht man gut, warum der Engel die Zustimmung der allerseligsten Jungfrau, ihr „Fiat“, erbeten hat. Maria verstand sehr wohl, dass Mutter Gottes zu werden bedeutet, Mutter eines leidenden Gottes, eines erlösenden Gottes, eines leidenden Messias zu werden, wie er im Alten Testament beschrieben worden war. Und sie sagte: „Ja, ich nehme es an. Wenn es Gottes Wille ist, stimme ich zu.“ Gott wird zu einem ganz bestimmten Zweck Mensch. Und Unsere Liebe Frau wusste das. Vor allem dies akzeptiert sie. Aber warum? Warum wollte Gott in seiner göttlichen Weisheit Unsere Liebe Frau auf diese Weise mit dem Leiden Unseres Herrn verbinden? Warum?
Weil Unser Herr die Seelen rettet, aber von jeder Seele ihre eigene Mitarbeit verlangt. Er verlangt von jedem seine Zustimmung zum Glauben, seinen Anteil am Leiden. Und Unsere Liebe Frau, die schon vor ihrer Empfängnis vor der Erbsünde bewahrt worden war, war in gewisser Weise die am vollkommensten Erlöste – einzigartig, niemals von der Sünde berührt. Und folgerichtig hat Gott von Unserer Lieben Frau eine Mitwirkung am Werk der Erlösung verlangt, die ihrer Heiligkeit entsprach. Was für ein Geheimnis! Das ist eine zutiefst christliche, zutiefst katholische Sichtweise der allerseligsten Jungfrau Maria. Gott will die Mitwirkung seines Geschöpfes und hat Unsere Liebe Frau zum Prototyp dieser Mitwirkung gemacht.
Davon sieht man nichts im Protestantismus, der jede Mitwirkung verneint: Es ist allein Gott, der die Vorherbestimmten rettet. Das ist die Theologie Luthers. Und was suchen die Protestanten folglich? Da diese Mitwirkung nicht notwendig ist, was suchen die Protestanten logischerweise? Sie lehnen das religiöse Leben, die Kasteiungen, die Messe ab, weil die Heilige Messe nach protestantischer Auffassung eine Anstrengung, eine menschliche Mitarbeit an einem Werk ist, das nur göttlich ist. Sie lehnen die Verehrung der Heiligen ab, weil man keinen Fürsprecher, keinen Vermittler braucht. Und vor allem lehnen sie die Verehrung der Muttergottes ab. Das ist schrecklich. Das bedeutet, in gewisser Weise die Erlösung zu zerstören, wie Gott sie gewollt hat. Aber es ist logisch.
Und man muss sagen: Der Modernismus hat auf einer anderen Ebene, auf eine andere Weise dasselbe getan. Ohne es zu leugnen, entstellt der Modernismus all dies. Hinter dem unangebrachten Schutzschild eines falsch verstandenen Christozentrismus, d. h. der falschen Angst, Unserem Herrn seine zentrale Stellung zu nehmen, schmälert auch der Modernismus all dies, schmälert die menschliche Mitwirkung, die Anstrengungen, die Abtötungen. Das religiöse Leben wird nicht mehr verstanden, die Messe wird ganz anders verstanden, und Unsere Liebe Frau auch. Sie wird gewissermaßen beiseitegeschoben, mitsamt dieser Rolle, die sie beim Erlösungswerk innehat, dieser zentralen Rolle. Das ist erschütternd!
Wenn man ein wunderschönes Gemälde hat: Was tut man, um es zur Geltung zu bringen? – Man versucht, einen Rahmen zu finden, der diesem Gemälde würdig ist. Und genau das hat Gott mit der allerseligsten Jungfrau gemacht. Das wunderschöne Gemälde der Erlösung wird von der Miterlösung, von der Muttergottes selbst eingerahmt. Was für eine Weisheit! Und jetzt sagt man uns, man müsse diesen Rahmen entfernen, um die Schönheit des Gemäldes nicht zu verlieren, sondern besser würdigen zu können.
Dreimal begleitet die allerseligste Jungfrau Unseren Herrn nach Jerusalem. Heute, am Fest der Darstellung im Tempel, der Reinigung Mariens, wird die erste Reise der Jungfrau mit Jesus nach Jerusalem begangen. Bei zwei weiteren Gelegenheiten begleitet die Muttergottes ihn, und diese drei Episoden sind miteinander verbunden, sie liegen auf derselben Achse. Sie haben einen gemeinsamen Nenner.
Heute, bei seiner Darstellung im Tempel, bietet Jesus dem Vater seine ganze Existenz an. Mit zwölf Jahren wird er, erneut begleitet von der allerseligsten Jungfrau, dem Vater seine Weisheit anbieten. Das dritte Mal wird auf Golgatha sein: Jesus wird dann von seiner Mutter begleitet, um dem Vater erneut sein eigenes Leben, seinen Leib und sein Blut darzubringen.
Was haben diese drei so unterschiedlichen Episoden gemeinsam und warum ist die allerseligste Jungfrau immer dabei? Sie begleitet Unseren Herrn dreimal in Schmerz und Leid.
Das erste Mal am heutigen 2. Februar: Die Ankündigung Simeons: „Ein Schwert wird dein Herz durchdringen.“ Mit zwölf Jahren begleitet sie ihn erneut zum Tempel. Und wieder ein tiefer Schmerz: den Herrn verloren zu haben; das ist die unvorstellbarste Prüfung für Maria. Das dritte Mal begleitet sie ihn erneut in seinen Schmerzen; im Leiden auf Golgatha.
Aber warum muss sie es jedes Mal in Schmerzen tun, wenn sie ihn begleitet? – Weil sie Miterlöserin ist, weil sie systematisch an der Passion Unseres Herrn teilnimmt. Sie bereitet diese mit Unserem Herrn vor: Die Passion Unseres Herrn ist auch ihre Passion. Das ist offensichtlich.
Und was ist die Folge dieser Wahrheit, die im Evangelium steht (es ist keine Erfindung)? Was ist die Konsequenz daraus?
Es ist diese: Genauso wie Maria während des gesamten Lebens Unseres Herrn gegenwärtig ist und ihm in seinem Leiden folgt – in allem, was sein Leiden vorbereitete und sich darauf bezog –, so ist Maria konsequenterweise auch weiterhin die Gefährtin Unseres Herrn. Sie spendet die Gnaden, die die Frucht der Passion sind, die auch die ihre war und an der sie seit heute, seit der Verkündigung Simeons, teilhat.
Welch großes Geheimnis verbirgt sich in diesem Schwert!
Eine letzte Überlegung. Wie konnte Unsere Liebe Frau ihren Sohn – und einen solchen Sohn – opfern? Man kann verstehen, dass sie sich selbst, ihre Existenz, ihre Jungfräulichkeit Gott darbrachte. Aber einen solchen Sohn? Wie konnte sie ihn opfern? Diesen Sohn, jungfräulich empfangen, jungfräulich geboren, dessen einzige Mutter sie war? Die menschliche Natur Unseres Herrn stammt vollständig von Maria. Aus ihrem unbefleckten Fleisch und Blut wurde die Menschheit Unseres Herrn gebildet. Logischerweise ist er der vollkommene Sohn, den sie anbetet. Wie konnte sie ihn opfern? Wie konnte sie „Ja” sagen? Nicht nur „Ich sage Ja und bleibe in Nazareth“, sondern „Ich sage Ja und begleite ihn, ich sage Ja aus Überzeugung.“ Wie konnte sie das tun? Wie lässt sich das erklären?
Das ist keine Fabelei! Das ist das Evangelium. Werden wir diese Lehre aufgeben? Werden wir dieses Schwert vergessen, welches das Herz Unserer Lieben Frau durchbohrt? Werden wir vergessen, was es bedeutet? Werden wir vergessen, was Unsere Liebe Frau am Fuße des Kreuzes getan hat? Werden wir die Miterlösung vergessen?
Auf keinen Fall – das ist unser Glaube. Das ist der Kern unseres Glaubens. Das ist das Kostbarste, was wir haben.
Am Tag des Gerichts wird Unser Herr uns seine Wunden zeigen und jeden Menschen fragen:
„Was hast du mit meinen Wunden gemacht, was hast du mit meinem Leiden gemacht? Hast du Zuflucht in meiner Seite gesucht oder hast du die Welt vorgezogen? Was hast du mit meinem am Kreuz vergossenen Blut gemacht? Was hast du mit der heiligen Eucharistie gemacht? Was hast du mit meiner Gnade gemacht?“
Und Er wird uns auch eine letzte Frage stellen:
„Was hast du mit meiner Mutter gemacht?
Ich hatte nichts mehr, ich war aller Dinge beraubt, von allen verlassen, ich hatte keinen Tropfen Blut mehr in meinem Leib. Ich hatte nur noch meine Mutter bei mir – und nicht irgendeine Mutter, sondern eine Mutter, die ich vorbereitet hatte, eine unbefleckte Mutter, eine Mutter voller Gnade, die Mutter Gottes. Ich hatte sie für mich vorbereitet, um Mensch zu werden, um in diese Welt zu kommen. Eine Mutter, die mich von der Darstellung im Tempel bis zum Kreuz begleitet hat. In meinem Handeln hat sie mich nie verlassen. Ich hatte nur noch sie. Und ich habe sie dir geschenkt, damit sie in deiner Seele weiterhin etwas von meinen Zügen formen kann, etwas, was mir auf die eine oder andere Weise ähnlich ist. Ich habe dir meine Mutter geschenkt. Was hast du mit meiner Mutter gemacht? Sie hat dich in mir in der Krippe ohne Schmerzen geboren, umgeben von himmlischen Gesängen, in Armut, aber ohne Schmerzen; sie hat dich am Fuße des Kreuzes geboren. Was hast du mit ihr gemacht? Wann hast du sie gefeiert und geehrt? Hast du sie wirklich wie eine Mutter behandelt?“
Wir können uns dem nicht entziehen. Das ist die Frage, die unser Herr uns stellen wird. Können wir auf diese so schöne und tiefgründige Lehre verzichten, die uns die Liebe Unseres Herrn in überreichem Maße offenbart?
Haben wir etwa Angst, dass die Muttergottes, wenn wir sie als Miterlöserin behandeln, wie sie es verdient, uns vom Geheimnis der Erlösung entfernt, in das sie selbst ganz und gar eingetaucht ist?
Kann ein Christ diese Angst haben? Nein, das ist unzulässig!
Kann man die Seelen auf diese Weise täuschen? Das ist unzulässig!
Kann man die Seelen von der Muttergottes entfernen, obwohl ihre Rolle nicht nur darin besteht, uns zu Unserem Herrn zu führen, sondern darüber hinaus Unseren Herrn in unseren Seelen zu formen? Das ist unzulässig!
Wir glauben, dass es an der Zeit ist, über die Zukunft der Priesterbruderschaft St. Pius X. nachzudenken, über die Zukunft aller Seelen, die wir nicht vergessen dürfen, die wir nicht verlassen dürfen, und vor allem über das Gute, das wir für die Kirche tun können. Und das wirft eine Frage auf, die wir uns schon seit langem stellen und auf die wir heute vielleicht eine Antwort geben müssen.
Sollen wir noch warten, bevor wir daran denken, Bischöfe zu weihen? Wir haben gewartet, gebetet, die Entwicklung der Dinge in der Kirche beobachtet, wir haben um Rat gefragt. Wir haben dem Heiligen Vater geschrieben, um ihm in aller Einfachheit die Situation der Bruderschaft darzulegen, ihre Bedürfnisse zu erklären und gleichzeitig dem Heiligen Vater unseren einzigen Daseinsgrund zu bestätigen: das Wohl der Seelen.
Wir haben dem Heiligen Vater geschrieben: Heiliger Vater, wir haben nur eine einzige Absicht, nämlich alle Seelen, die sich an uns wenden, zu wahren Söhnen der römisch-katholischen Kirche zu machen. Wir werden niemals eine andere Absicht haben und wir werden immer an dieser Absicht festhalten. Und das Wohl der Seelen entspricht dem Wohl der Kirche.
Es sind die Seelen, welche die Kirche bilden. Und wenn man die Kirche liebt, dann liebt man die Seelen; man will ihr Heil und man will alles tun, um ihnen die Mittel zu ihrem Heil anzubieten. Deshalb haben wir den Heiligen Vater gebeten, diese ganz besondere Situation der Priesterbruderschaft zu verstehen und ihr die Mittel zu geben, dieses Werk in einer Situation fortzusetzen, die außergewöhnlich ist – das erkennen wir an.
Aber dieses Werk hat – noch einmal – kein anderes Ziel, als die Tradition zum Wohl der Seelen zu bewahren.
Nun, diese Gründe scheinen leider nicht zu interessieren, nicht überzeugend zu sein. Sagen wir es so: Diese Gründe haben beim Heiligen Stuhl momentan keine offene Tür gefunden. Wir bedauern das sehr. Aber was sollen wir nun tun? Sollen wir die Seelen im Stich lassen? Sollen wir ihnen sagen, es sei letztlich nicht notwendig, dass die Bruderschaft ihr Werk fortsetzt? Es sei letztendlich alles mehr oder weniger in Ordnung – mit anderen Worten: es gebe in der Kirche keinen Notstand mehr, der unser Apostolat, unsere Existenz rechtfertigen würde, um der Kirche zu helfen (nicht um sie herauszufordern, niemals!)?
Wir sind hier, um der Kirche zu dienen. Und wir dienen der Kirche, indem wir den Glauben verkünden und den Seelen die Wahrheit sagen – und nicht, indem wir den Seelen Fabeleien erzählen.
Können wir den Seelen sagen, dass trotz allem alles gut ist? Nein! Das würde bedeuten, die Seelen zu verraten. Und die Seelen zu verraten, hieße, die Kirche zu verraten. Das können wir nicht tun.
Wir denken, dass der 1. Juli ein gutes, ja ideales Datum sein könnte, denn es ist das Fest der Erlösung. Nichts anderes interessiert uns. Das Kostbarste, was wir haben, ist das Blut Unseres Herrn, das am Kreuz, am Kreuzesholz aus seinen Füßen fließt. Es wurde zuerst von der Muttergottes zu Füßen des Kreuzes angebetet, und wir beten es weiterhin zu Füßen des Altars an. Das ist das Einzige, was uns interessiert, das Einzige, was wir den Seelen geben wollen.
Die Seelen haben ein Recht darauf, es ist kein Privileg, die Seelen haben ein Recht darauf. Wir dürfen sie nicht im Stich lassen.
In den nächsten Tagen werden wir Ihnen natürlich weitere Informationen und Erklärungen zukommen lassen. Man muss gut verstehen, warum. Man muss die Tragweite gut verstehen, das ist von entscheidender Bedeutung. Aber gleichzeitig muss man dies im Gebet verstehen. Es reicht nicht aus, den Verstand vorzubereiten. Ich würde sagen, ein bloß apologetischer Ansatz reicht dafür nicht aus. Wir müssen unsere Herzen vorbereiten, das ist eine Gnade. Es ist eine Gnade, und wir müssen an dieser Gnade festhalten. Wir müssen dem Lieben Gott danken, wir müssen uns vorbereiten. Bischofsweihen, ja! Bischofskonsekrationen – noch einmal! Nicht um der Kirche zu trotzen, es ist kein Trotz.
Ich füge noch eine letzte Überlegung hinzu:
Ich übernehme die volle Verantwortung für diese Entscheidung. Ich übernehme sie zunächst vor Gott, ich übernehme sie vor der allerseligsten Jungfrau, vor dem Heiligen Pius X., ich übernehme sie vor dem Papst. Ich würde gerne vor dem 1. Juli den Papst treffen. Ich würde ihm gerne unsere wahren, tiefen Absichten erklären, unsere Verbundenheit mit der Kirche, damit er es weiß, damit er es versteht. Und ich übernehme diese Verantwortung natürlich vor der Kirche. Und vor der Bruderschaft, allen Mitgliedern der Bruderschaft und – ich wiederhole es noch einmal – vor allen Seelen, die sich auf die eine oder andere Weise an uns wenden, uns jetzt oder in Zukunft um Hilfe bitten – all diesen Seelen, all diesen Berufungen, die uns die Vorsehung gesandt hat und weiterhin sendet. Ich übernehme diese Verantwortung auch vor diesen Seelen – vor jeder einzelnen, denn eine Seele hat einen unendlichen Wert.
Und in der Kirche ist – vergessen Sie das niemals – das Heil der Seelen, das Gesetz der Gesetze, das Gesetz, das über allen anderen steht.
Nicht das Geschwätz ist das Gesetz, nicht die Synode, nicht die Ökumene, nicht die liturgischen Experimente, nicht die neuen Ideen, nicht die neuen Evangelisierungen, sondern das Heil der Seelen. Das ist das Gesetz aller Gesetze. Und wir haben – jeder an seinem Platz – die Pflicht, dieses Gesetz zu befolgen und uns ganz dafür einzusetzen.
Warum? Und damit komme ich zum Schluss: Heute lehren uns nämlich Unsere Liebe Frau und Unser Herr, dass sie während ihres Erdendaseins keine andere Idee, kein anderes Ziel hatten, als die Seelen zu retten.
Und wie gesagt, auf die eine oder andere Weise muss jeder von uns entsprechend seinen Talenten und seiner Stellung alles tun, was er kann, muss seinen Beitrag leisten, um seine eigene Seele und die der anderen zu retten. Amen.
Quelle: FSSPX Distrikt Deutschland

Pater Louis-Marie de Blignières hat den Kardinälen am Vorabend des Konsistoriums vom 7. und 8. Januar 2026 einen Brief geschickt, in dem er ihnen einen „Weg“ für den traditionellen Ritus vorschlägt.
Erzbischof Marcel Lefebvre brachte eine grundlegende Überzeugung zum Ausdruck: Der Schutz der Liturgie ist untrennbar mit der Wahrheit des Glaubens verbunden. Dreißig Jahre später zeigt sich die Frucht dieser kompromisslosen Haltung in der anhaltenden Vitalität der traditionellen hl. Messe, in einem lebendigen und wachsendem Glaubensleben der Gemeinden dort, wo sie treu bewahrt wurde.
Ein Kompromiss bleibt stets ein Kompromiss: Er mag kurzfristig scheinbaren Schutz bieten, kann aber auf Dauer nicht bestehen. Die katholische überlieferte hl. Messe bedarf keiner „Sonderregelung“, sondern der uneingeschränkten Anerkennung dessen, was sie ist.
Hinter den höflichen Formulierungen über „Dialog“ und „stabilen pastoralen Rahmen“ verbirgt sich eine viel härtere Realität. Es geht darum, Rom um die Einrichtung einer Sondergerichtsbarkeit für die sogenannte tridentinische Messe zu bitten, die sich am Modell der Militärordinariate orientiert. Mit anderen Worten: eine persönliche, nicht territoriale Struktur unter der direkten Autorität des Heiligen Stuhls, in der Priester und Gläubige, die dem alten Ritus verbunden sind, zusammengefasst würden.
Der Werdegang von Pater de Blignières, dem Gründer der Bruderschaft Saint-Vincent-Ferrier, verdeutlicht diesen Ansatz. Nach den Weihen von Écône durch Marcel Lefebvre gehörte er 1988 zu denen, die den Dialog mit Rom suchten und zur Einrichtung der Kommission Ecclesia Dei beitrugen. Ziel und Prinzip waren klar. Ein vermeintliches „Schisma“ sollte vermieden werden, im Gegenzug für eine vorläufige Erlaubnis, weiterhin nach den vor der Reform Pauls VI. geltenden liturgischen Büchern zu feiern. Dies jedoch unter der Bedingung, die Legitimität des neuen liturgischen Ordo und des Zweiten Vatikanischen Konzils uneingeschränkt anzuerkennen. Diese Forderung nach der Erlaubnis beruhte auf der Angst vor einem Schisma und dem Streben nach institutioneller Anerkennung.
Der aktuelle Vorschlag steht genau in dieser Kontinuität. Pater Matthieu Raffray (Institut du Bon Pasteur), der mit der Erläuterung seiner Tragweite beauftragt ist, betont in einem Interview mit Diane Montagna, dass es sich weder um eine an Papst Leo XIV. gerichtete Bitte noch um eine Forderung handelt, sondern lediglich um eine den Kardinälen vorgelegte „Arbeitshypothese“.
Das herangezogene Modell ist das der Militärordinariate. Ein Ordinariat ist eine persönliche Gerichtsbarkeit, die dazu dient, einem spezifischen und besonderen pastoralen Bedarf gerecht zu werden.
Die Anwendung dieses Modells auf die traditionelle Liturgie läuft implizit darauf hinaus, sie als besonderen, marginalen Bedarf und nicht als katholische Norm zu qualifizieren. Die vorgeschlagene Gerichtsbarkeit würde sich den Diözesen überlagern, ohne sie zu ersetzen, und „in Abstimmung“ mit den örtlichen Bischöfen arbeiten. Im Klartext: Der traditionelle Ritus würde in einen parallelen Raum verbannt und toleriert, solange er die bestehende Ordnung nicht stört.
Dieses Konstrukt beruht auf einer sorgfältig gepflegten doktrinären Verwirrung. Pater de Blignières und seine Anhänger schlagen vor, dass die Lösung in der Anerkennung „zweier unterschiedlicher lateinischer Riten“ bestehen würde: eines alten und eines reformierten Ritus. Diese Idee ist jedoch sowohl Summorum pontificum als auch Traditionis custodes fremd. Benedikt XVI. hat nie zwei römische Riten anerkannt, sondern „zwei Gebräuche eines einzigen römischen Ritus“ (duo usus unici ritus romani). Diese Unterscheidung ist von entscheidender Bedeutung. Es handelte sich keineswegs um einen Pluralismus der Riten, wie er legitimerweise zwischen dem römischen Ritus, dem ambrosianischen Ritus oder dem dominikanischen Ritus besteht, sondern um eine außergewöhnliche pastorale Toleranz, die gewährt wurde, um die „kirchliche Gemeinschaft“ der Gläubigen, die durch die Reform Pauls VI. beunruhigt waren, zu erleichtern.
Diese Kontinuität erklärt übrigens, warum Franziskus diesen außerordentlichen Brauch ohne innere Inkohärenz des Systems einschränken und dann marginalisieren konnte. Sobald man zugesteht, dass das Messbuch von Paul VI. der normale, gewöhnliche und normative Ausdruck des einzigen römischen Ritus ist, kann das traditionelle Messbuch nur noch als Zugeständnis bestehen bleiben, das von Natur aus widerrufbar ist. Die Institute Ecclesia Dei haben diesen Grundsatz von Anfang an akzeptiert: Um die Erlaubnis zu behalten, mussten sie jede grundlegende Kritik am Novus Ordo Missae zurückweisen und leugnen, dass dieser einen anderen Ritus oder eine andere Theologie der Messe zum Ausdruck bringe. Daraus ergibt sich eine konstitutive Unsicherheit, die weder durch Indulte noch durch Summorum pontificum noch heute durch eine besondere Jurisdiktion wirklich gelöst werden kann.
Genau hier unterscheidet sich die Position der Bruderschaft St. Pius X. radikal. Die Bruderschaft betrachtet das sogenannte Messbuch des heiligen Pius V. – in seiner letzten Ausgabe von 1962 – als den einzigen legitimen Ausdruck des römisch-katholischen Ritus. Sie sieht im Messbuch von Paul VI. keine homogene Reform, sondern einen schwerwiegenden Bruch, der durch eine Protestantisierung der lex orandi gekennzeichnet ist und im Widerspruch zur dogmatischen Definition des Messopfers durch das Konzil von Trient steht. Daher ist die Verweigerung des Gehorsams keine disziplinäre Laune, sondern ein angemessener Widerstand gegen eine große Gefahr für den Glauben und das Seelenheil.
Der von Pater de Blignières erträumte liturgische Pluralismus stellt also niemanden zufrieden. Für das heutige konziliare Rom ist er unmöglich, da die Verwendung des tridentinischen Messbuchs niemals zum gewöhnlichen Gebrauch eines eigenständigen Ritus werden kann. Es wird bestenfalls immer ein tolerierter außerordentlicher Gebrauch bleiben. Für die Bruderschaft St. Pius X. ist er unzureichend und inakzeptabel, da er darauf hinausläuft, eine mangelhafte Liturgie als normativ anzuerkennen und gleichzeitig die wahrhaft katholische Liturgie in einen Ausnahmezustand zu verbannen. Zwischen dem juristischen „Notbehelf“ und der „Überlebensoperation“ der Tradition ist die Wahl klar.
Der Sommer 1988 war ein entscheidender Moment. Erzbischof Marcel Lefebvre entschied sich damals, die Messe zu retten, um den Glauben zu retten, auch wenn dies eine institutionelle Marginalisierung bedeutete. Dreißig Jahre später zeigt die traditionelle Messe eine schöne Vitalität, sicherlich auch in der Bewegung Ecclesia Dei, aber vor allem dank eines Episkopats, das von der modernistischen Ansteckung verschont geblieben ist und in der Lage ist, die Dauerhaftigkeit, Kohärenz und vollständige Weitergabe des Glaubens zu gewährleisten.
Die von Rom abhängigen Gemeinschaften hingegen sind derzeit vom guten Willen der konziliaren Autoritäten abhängig, gezwungen, ständig ihre Existenz zu rechtfertigen und zu akzeptieren, dass die Messe als tolerierte Option behandelt wird.
Daher ist die Frage nicht nur strategischer, sondern auch moralischer Natur. Wie weit kann man institutionelle Kompromisse akzeptieren, ohne die Wahrheit zu verraten? Eine liturgische „Reserve“, so wohlwollend sie auch präsentiert werden mag, bleibt eine Reserve: ein Ort, an dem man das, was eigentlich stört, ablegt. Die katholische Messe braucht keinen Sonderstatus, um zu überleben – sie muss als das anerkannt werden, was sie ist.
Zwischen einem bedingten Überleben und einer kompromisslosen Treue hat das nun abgeschlossene Konsistorium – durch seine Ausgrenzung der traditionellen Messe – deutlich gezeigt, welcher Weg für die Kirche wirklich fruchtbar und realistisch ist und welcher nicht.
Quellen: FSSPX Distrikt Deutschland / InfoVaticana / Catholic Herald / Diane Montagna / Courrier de Rome/FSSPX Actualités) Illustration: Paris – Louis-Marie de Blignières — Photo par Peter Potrowl, via Wikimedia Commons, licence Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0).

Da im Advent in den USA alljährlich The Sound of Music ausgestrahlt wird, erinnert sich Charles Collins, ehemaliger Mitarbeiter von Radio Vatikan und heute verantwortlicher Redakteur des US-amerikanischen katholischen Nachrichtenportals Crux, daran, wie die Nonnen dort ratlos über Maria singen: „How do you solve a problem like Maria?“ Gemeint ist eine junge Novizin namens Maria. Genau diese Zeile fällt Collins ein in Bezug auf Kardinal Víctor Manuel Fernández, jenen argentinischen Intimus nun schon zweier Pontifikate, der seit seiner Ernennung 2023 an die Spitze des Dikasteriums für die Glaubenslehre mehr Unruhe stiftet, als dieses Amt verträgt. Und tatsächlich wirkt der Präfekt für viele wie eine Figur, die stets „verwirrt und unberechenbar“ erscheint – nur geht es in diesem Fall nicht um eine Musical-Komödie, sondern um die Schaltzentrale des kirchlichen Lehramtes.
Victor Manuel Fernández, genannt „Tucho“, seit Jahrzehnten eng mit Jorge Mario Bergoglio verbunden, genoß unter Papst Franziskus eine auffällige Immunität gegenüber Kritik und eine bemerkenswerte Freiheit, Theologisches in eine eigenwillige Pastoralprosa umzugießen. Diese bergoglianische Protektion, die zumindest bis in das Jahr 1997 zurückreichte und sich nicht wirklich erklärt, schwemmte Fernández von hohen zu immer höheren Positionen – jede um einige Schuhnummern zu groß für ihn, wie Kritiker meinten, die ihn näher kennen.
Seine früheren Publikationen, darunter die notorisch zitierten Büchlein über „Küssen“ und „Orgasmus“ wären als jugendliche Unbedarftheiten zu entschuldigen, wäre er zum Zeitpunkt ihrer Abfassung nicht schon gegen 40 und seit vielen Jahren zum Priester geweiht gewesen. Aber selbst da hätte man wohl noch zwei Augen zudrücken können, hätte er später als Ghostwriter und Souffleur Bergoglios spätestens nach dessen Wahl zum Papst eine klare Linie, intellektuelle Tiefe oder wenigstens kirchenpolitisches Fingerspitzengefühl gezeigt. Doch von alldem ist erstaunlich wenig zu sehen. Stattdessen reiht sich seit seinem Amtsantritt in Rom Zwischenfall an Zwischenfall wie Perlen an einer Kette – nur daß diese Perlen jedes Mal die Fassade Roms ein Stück weiter zerkratzen.
War das gar die Absicht, der letzte bergoglianische „Streich“, um das in manchen Kreisen zutiefst verhaßte Heilige Offizium, die Glaubenskongregation (von Franziskus nicht zufällig in Glaubensdikasterium umbenannt), restlos zu demontieren?
Der Eklat um Fiducia supplicans war ein Paradebeispiel für diese destruktive Dramaturgie. Mit der Zulassung zu Segnungen für Paare in irregulären Verbindungen, explizit auch für Homo-Paare, trieb Fernández einen Keil in die Weltkirche, wie ihn kein päpstliches Dokument der jüngeren Zeit hervorgerufen hat. Am 11. September 2023 trat Fernández sein römisches Amt als Glaubenspräfekt an, bereits am 18. Dezember legte er Franziskus Fiducia supplicans zur Unterschrift vor, die dieser ohne Zögern leistete. Das Tempo ist zu schnell, als daß nicht angenommen werden müßte, daß Protegé und Mentor nicht schon längst Vorarbeit geleistet hatten.
Afrikanische Bischofskonferenzen verweigerten die Umsetzung, die ukrainische griechisch-katholische Kirche, die Bischöfe Ungarns, der Niederlande, von Astana und andere mehr erklärten öffentlich, man werde das Papier ignorieren, und die koptisch-orthodoxe Kirche brach den Dialog mit Rom ab.
Wochenlang mußten vatikanische Stellen beschwichtigend nacharbeiten, Tucho selbst tat es mit der ihm offenbar eigenen Peinlichkeit (die Homo-Segnungen dürften nur maximal 15 Sekunden dauern); bis schließlich Papst Franziskus selbst zur Beruhigung intervenieren mußte und im Duo mit Fernández akrobatische „Einschränkungen“ improvisierte. Was Franziskus nicht ohne die für ihn typischen Seitenhiebe tat und Kritiker als Heuchler und Ideologen beschimpfte.
Auf die eigentliche Kritik, daß Fiducia supplicans die Wahrheit verdunkelt, gingen die Bergoglianer nicht ein. Insgesamt ist Fiducia supplicans nur im Kontext jener von Franziskus betriebenen Kapitulation in Sachen Homosexualität zu verstehen. Selbst wer Bergoglio gewogen ist, konnte sich dem Eindruck nicht entziehen, daß mit Tucho Fernández an der Spitze des Glaubensdikasteriums diese zentrale kirchliche Autorität in Brand gesetzt wurde, die er eigentlich schützen sollte.
Zu dieser Linie paßt neben weiteren Pannen und Pleiten auch die Episode um die lehrmäßige Note Mater populi fidelis, jenes Dokument, das den seit Jahrzehnten gebräuchlichen Begriff Corredemptrix, auf deutsch Miterlöserin, für Maria praktisch untersagt – und das alles, ohne eine auch nur annähernd überzeugende theologische Begründung vorzulegen. Daß Fernández anschließend in einem Interview erneut nachlegte und erklärte, privat könne man den Titel schon verwenden, nur eben nicht offiziell, und die Entscheidung sei keine Verurteilung früherer Verwendungen durch viele Heilige und Päpste, sondern gelte „immer“, aber im Sinne von „ab jetzt“, war kaum geeignet, die Verwirrung zu mildern. Auch Collins fragt sich, warum ein Glaubenspräfekt Themen aufwärmt, die kein Konfliktfeld sind, und sie dann mit der denkbar geringsten Sensibilität für kirchliche Tradition und Frömmigkeit abräumt.
Ähnlich unglücklich wirkt die jüngste lehrmäßige Note Una caro, die angeblich die Problematik der Polygamie in Afrika im Blick hat, faktisch aber fast ausschließlich auf europäische Sexualtheologen der Mitte des 20. Jahrhunderts zurückgreift. Keine anthropologischen Realitäten, keine konkreten sozialen Verwerfungen, kein Blick auf die Kinder und Frauen, die unter polygamen Verhältnissen leiden. Man gewinnt den Eindruck, daß Porno-Präfekt Fernández, Spezialist für das Küssen, an dem Thema Sexualität hängt und weniger die Kirche adressiert als irgendein akademisches (?) Auditorium, das nur zufällig in Rom sitzt.
Jorge Mario Bergoglio, Tuchos Entdecker und großer Mentor, ist am 21. April 2025 verstorben. Daß sich Fernández und seine Linie trotz fortgesetzter Fehlleistungen über dessen Tod hinaus auch im neuen Pontifikat halten können, hat weniger mit theologischer Brillanz als mit einem Geflecht persönlicher Loyalitäten zu tun, das über Jahre in Argentinien gewachsen ist und sich im Vatikan als erstaunlich widerstandsfähig erweist.
Die Beförderungen im Umfeld ehemaliger argentinischer Mitarbeiter sind dafür ein sprechendes Indiz. Ein Beispiel ist Daniel Pellizzon, an den Caminante Wanderer erinnert. Pellizzon ordnete 2011/2012 das persönliche Archiv Bergoglios, arbeitete dann mit Tucho Fernández an der Päpstlichen Katholischen Universität von Argentinien, wurde 2018 zum Priester geweiht, stieg 2023 zum persönlichen Sekretär von Papst Franziskus auf und wurde nach dessen Tod wieder nach Buenos Aires zurückgeschickt: Wenn jemand, der einst aus dem Seminar entfernt wurde und später „aus Barmherzigkeit“ (und Intervention) gerade noch zur Priesterweihe gelangte, heute eine der attraktivsten Pfarreien von Buenos Aires übernehmen darf, dann ist das kein Zufall, sondern Ausdruck eines Systems, das nicht fachliche Eignung belohnt, sondern Zugehörigkeit zu einem Kreis.
Wer dazugehört, wird befördert und auch geschützt; wer nicht dazugehört, verschwindet aus den Sichtachsen und wird trotz aller Fähigkeiten nichts. Und in diesem System, aufgebaut und gefördert von Jorge Mario Bergoglio, bewegt sich Fernández wie ein Fisch im Wasser.
All dies führt zurück zu jener Leitfrage, die Collins etwas humorvoll verpackt, aber nicht zufällig und durchaus ernst aufwirft: Wie löst man ein Problem wie Tucho Fernández? Während im Film die rebellische Novizin namens Maria einfach in ein neues Umfeld versetzt wird und dort aufblüht, verfügt der Vatikan über keine vergleichbare Option. Wohin sollte ein Präfekt der Glaubenslehre „wegbefördert“ werden, ohne daß das Amt selbst Schaden nimmt? Das ist jedoch die falsche Frage. Und wenn in entscheidenden Momenten falsche Fragen gestellt werden, sollte man sich auch fragen, warum dies geschieht.
Der Schaden ist bereits angerichtet. Und man muß hinzufügen, daß dieser von Franziskus, der eine sehr akzentuierte und zielgerichtete Personalpolitik betrieb, auch genau so gewollt war. Schwerwiegender erscheint, warum Leo XIV. seine Unterschrift unter die bergoglianischen Tucho-Dokumente setzt. Nichts und niemand kann ihn dazu zwingen. Überhaupt erstaunt das leoninische Pontifikat durch die ungewöhnliche Vielzahl von Dokumenten, die von Franziskus gewollt und unter diesem vorbereitet wurden, aber jetzt erst veröffentlicht werden. Warum sieht sich Leo XIV. in lehramtlichen Fragen an seinen Vorgänger gebunden, während er in verwaltungstechnischen Angelegenheiten keine Probleme hat, Franziskus-Entscheidungen aufzuheben, zurückzunehmen und abzuschaffen. Über Hintergründe mag man spekulieren, Fakt ist jedoch, daß ein Papst, der ein Dokument unterzeichnet, dafür die Verantwortung trägt und zwangläufig angenommen werden muß, daß es genau seine Überzeugung widerspiegelt.
Dieser Makel lastet auf dem aktuellen Pontifikat und Tucho Fernández ist die Bleikugel am Bein des neuen Papstes.
Sie zieht durch widersprüchliche Dokumente, schlecht abgewogene Interventionen und ideologische Experimente im Kurzschlußmodus nicht nur Leo XIV. in die Tiefe, sondern die Autorität der Glaubenskongregation (Glaubensdikasterium) und der kirchlichen Lehrautorität überhaupt.
Wie lange kann sich dieses Pontifikat, wie lange kann sich die Kirche einen Glaubenspräfekten Tucho Fernández und das bergoglianische Protektionssystem noch leisten? Der hochbetagte Kardinal Joseph Zen gab bereits wenige Tage nach der Veröffentlichung von Fiducia supplicans die Antwort: Kardinal Victor Manuel Fernández sollte zurücktreten.
Quelle: katholisches / G. Nardi, Bild: 0221 (Screenshot)

Mindestens 25 Menschen wurden in Nord-Kivu im östlichen Kongo bei einer Reihe von Angriffen ermordet, die den dschihadistschen Rebellen der ADF zugeschrieben werden.
Wie Oberst Alain Kiwewa, Militärverwalter des Gebiets Lubero, mitteilte, „haben die ADF seit der Nacht des 24. Januar die Bevölkerung des Dorfes Musenge im Gebiet Lubero in Angst und Schrecken versetzt, wo sie mehrere Häuser (fast das gesamte Dorf), ein Gesundheitszentrum und eine katholische Kirche niedergebrannt haben“.
Er erklärt weiter: „Ein Großteil der lokalen Bevölkerung ist auf der Flucht in die mindestens 30 Kilometer entfernte Stadt Butembo. Die aktuelle Opferzahl ist nur vorläufig. Wir warten auf weitere Informationen der Sicherheitskräfte, die in der Region im Einsatz sind, um eine vollständige Bilanz zu erhalten.“
Das Dorf Musenge gehört zur Region Mwenye, wo die ständigen Angriffe der ADF-Islamisten zu einer Situation großer Unsicherheit geführt haben. Frühere Angriffe in diesem Gebiet bereits über 25 Todesopfer gefordert und 63 Häuser in Brand gesetzt.
Die ADF greift auch weiter in der benachbarten Provinz Ituri an, wo in der Nacht vom 24. Januar mindestens drei Zivilisten bei einem doppelten Angriff auf die Dörfer Ahombo und Mangwalo im Gebiet Irumu ermordet wurden. Laut lokalen Quellen wird auch das Verschwinden einer unbekannten Anzahl von Einwohnern der beiden angegriffenen Dörfer gemeldet.

Bischof Bulus Dauwa Yohanna von der katholischen Diözese Kontagora in Nigeria sorgt sich um die verschlechterte Sicherheitslage. Die Menschen in den Verwaltungsbezirken Agwara und Borgu lebten in ständiger Todesangst, sagte er zur Eskalation der Banditenaktivitäten in diesen beiden Verwaltungsbezirken des Bundesstaats Niger. „Banditentum und gewalttätige Überfälle lähmen das Bildungswesen, die Landwirtschaft und das Gemeinschaftsleben.“ Der Oberhirte zeichnete ein düsteres Bild vom täglichen Leben in der Region.„Derzeit funktioniert die Rechtsstaatlichkeit in Nord-Borgu nicht mehr. Banditen treiben sich Tag und Nacht ungehindert herum, ohne dass ihnen jemand etwas entgegensetzt.“
Zudem warnte Bischof Bulus vor wirtschaftlichen und ernährungssicherheitstechnischen Folgen, wenn die Unsicherheit nicht dringend angegangen werde.
Der Bischof appellierte an die Bundes- und Landesregierungen, in Agwara eine voll ausgestattete Militärbasis sowie Polizeistationen und Kontrollpunkte einzurichten.
„Die Militärbasis sollte über eine vollständig mobile und gepanzerte Einheit verfügen, die in der Lage ist, die Banditen zu verfolgen und festzusetzen, sobald sie ihre Verstecke verlassen, um die Bevölkerung zu terrorisieren.“

Liebe Brüder und Schwestern,
ich bin seit einer Woche wieder in Hongkong, nachdem ich aus Rom zurückgekehrt bin. Ihr habt euch sicher gefragt, warum ich euch noch nicht online berichtet habe, wie ich die letzten zwei Wochen verbracht habe. Ihr habt geduldig gewartet; bitte verzeiht mir.
Die Woche in Rom war wirklich wunderbar.
Da mein Verhalten bei meinen beiden vorherigen Auslandsreisen als zufriedenstellend eingestuft wurde, verlangte die Polizei diesmal weder einen Bürgen noch eine Kaution. Sie stellten mir meinen Pass direkt aus. Welch ein Segen! Ich reiste am Abend des 04.01. problemlos ab und kam am Mittag des 05.01. wohlbehalten in Rom an. Dort wurde ich von Pater Carlos Cheung begleitet. Ich wohnte in der Päpstlichen Salesianer-Universität, und die Gastfreundschaft des Rektors war in jeder Hinsicht vorbildlich.
Am Morgen des 06.01., dem Hochfest der Erscheinung des Herrn, zelebrierte ich die Messe in meiner Titelkirche, der Kirche Santa Maria Madre del Redentore. Dies gab mir das Gefühl, wirklich ein Pfarrer im Bistum des Papstes zu sein. Am Morgen des 07.01. feierte ich die Messe im Petersdom und bat den Herrn um seinen Segen für das Treffen der Kardinäle, das am Nachmittag beginnen sollte.
Wenig später gewährte mir der Papst eine Privataudienz. Er war sehr herzlich und sprach eine halbe Stunde mit mir. Ich sprach viel, er hörte aufmerksam zu. Er ist wahrlich eine Leitungspersönlichkeit, die zuhören kann!
Ursprünglich waren vier Themen vorgesehen:
In letzter Minute wurde aus Zeitmangel beschlossen, dass alle nur zwei Themen zur Diskussion auswählen und darüber abstimmen sollten. Schließlich wurden die Themen 1 und 2 gewählt. (Meiner Meinung nach wurde damit ein ganzer Nachmittag verschwendet).
Aus einem geplanten zweitägigen Treffen wurde eine eintägige Veranstaltung. Noch schlimmer: Der Ablauf des Treffens ähnelte der noch nicht lange zurückliegenden „Synode“.
Alle saßen an runden Tischen und unterhielten sich. Die Diskussionszeit in der Plenarversammlung war sehr begrenzt – nur zwei Sitzungen à 45 Minuten, und jeweils hatten nur fünfzehn Personen die Gelegenheit, zu sprechen.
Obendrein hielt vor Beginn der Sitzung jener „Prediger“ der Synode den Kardinälen eine Homilie. Der Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre verteilte ebenfalls ein Dokument. Auch der Generalsekretär des Synodensekretariats ergriff das Wort. Obwohl Thema 4 diesmal nicht zur Debatte stand, verteilte der Präfekt des Dikasteriums für den Gottesdienst dennoch ein Dokument. Offenbar betrachteten einige Leute dieses Konsistorium als eine Fortsetzung der „Synode über die Synodalität“.
Ich neige zu „Verschwörungstheorien“ und vermute, dass dieses Treffen von Papst Franziskus’ „Gefolgsleuten“ unterwandert wurde. Sie taten ihr Möglichstes, um die Kardinäle an der Meinungsäußerung zu hindern.
Doch ist das nicht genau das Gegenteil dessen, wofür Papst Leo das Konsistorium einberufen hat?
Nach dem Treffen bemerkten auch einige Kardinäle, dass es ernsthafte Probleme mit der Organisation gegeben habe. Anders als ich neigten sie jedoch nicht zu „Verschwörungstheorien“. Manche meinten, es läge vielleicht einfach daran, dass es zum Ende des Heiligen Jahres zu viele Veranstaltungen gab und Papst Leo daher die Vorbereitung des Konsistoriums nicht persönlich überwachen konnte.
Ich hatte einen Text vorbereitet, um zur Diskussion über Thema 1 beizutragen. Da jedoch jede Rede auf drei Minuten begrenzt war, konnte ich ihn nicht vollständig vorlesen und nur die Kernpunkte präsentieren. Anschließend gab ich den vollständigen Text mehreren Kardinälen, und er gelangte schnell in die Hände von Journalisten.
Der Papst ermutigte alle, offen zu sprechen. Ich kritisierte die „Synode“ und ihre sogenannten Maßnahmen zur „Umsetzungsphase“ mit recht scharfen Worten.
Ich weiß, dass in den vergangenen Monaten einige Kardinäle ähnliche Ansichten wie ich geäußert hatten. Doch in der Sitzung sprachen nur sehr wenige, und selbst diejenigen, die sprachen, taten dies sehr „höflich“. Leider wurde ich damit zum einzigen „Schwarzen Schaf“ (the only „bad child“).
Nach meinem Beitrag schien es, als würden mich einige Leute missbilligend ansehen. Doch sowohl innerhalb als auch außerhalb der Sitzung brachten viele Brüder und Schwestern des „traditionellen Lagers“ ihre Anerkennung zum Ausdruck.
Ich habe nicht auf die Reaktion des Papstes geachtet. Aber ich weiß und glaube fest daran, dass er eine Leitungspersönlichkeit ist, der zuhören kann.
Was ist also mein Gesamteindruck von diesem Treffen? Tiefe Dankbarkeit.
Die Entscheidung des Papstes, ein Konsistorium einzuberufen, ist ein sehr willkommener „Durchbruch“. Unmittelbar danach kündigte er an, dass Ende Juni ein weiteres Konsistorium stattfinden wird; und dass von nun an jährlich eines abgehalten werden soll und es über einen längeren Zeitraum dauern soll. Die Prozeduren werden sicherlich verbessert, damit der Papst den loyalen Meinungen seiner Mitbrüder ausführlich Gehör schenken kann.
Der Herr segne Papst Leo XIV.
Warum habe ich nach meiner Rückkehr nach Hongkong bis heute gewartet, um Ihnen all dies mitzuteilen? Womit war ich so beschäftigt?
Abgesehen von der Erholung habe ich viele „Geburtstagsessen“ genossen. Viele Menschen haben mich aus Liebe eingeladen; und ich habe die Einladungen angenommen – halb widerwillig, halb zustimmend.
Ich war ein Jahr lang krank gewesen und habe zehn Kilogramm abgenommen. Nach und nach habe ich sieben Kilogramm wieder zugenommen, aber aus irgendeinem Grund stagniert mein Gewicht nun. Der Arzt möchte, dass ich weitere drei Kilogramm zunehme. Er sagte: „Schränken Sie Ihre Ernährung nicht ein – nehmen Sie erst einmal zu.“ Auf den Arzt zu hören, kann ja nicht so falsch sein, oder?
An dieser Stelle möchte ich allen Brüdern und Schwestern, die für mich gebetet haben, meinen tief empfundenen Dank aussprechen. (Gott sei Dank für die Gnaden, die Er mir in diesen 94 Jahren geschenkt hat. Möge der Herr mir meine Sünden und Fehler vergeben. Und die Tage, die er mir noch schenkt, werde ich nicht ablehnen.)
Quelle: gloria.tv, kath.net, fsspx.de


Kardinal Burke spricht mit Papst Leo über Zukunft der traditionellen lateinischen Messe
Kardinal Raymond Burke hat öffentlich bestätigt, dass er bereits mit Papst Leo XIV. über die Zukunft der traditionellen lateinischen Messe gesprochen hat. Der US-amerikanische Kardinal sagte, er hoffe, dass der neue Pontifex die Beschränkungen für diese Gottesdienstform aufheben wird.
Burke äußerte sich laut der englischen Partneragentur CNA bei einer Konferenz der Latin Mass Society of England and Wales am 14. Juni in London und bezeichnete die derzeitigen Maßnahmen als “Verfolgung” der traditionsverbundenen Gläubigen in der Kirche.
Bei der Londoner Konferenz erklärte Burke: “Ich hatte tatsächlich bereits Gelegenheit, dies dem Heiligen Vater mitzuteilen.” Der frühere Präfekt der Apostolischen Signatur und ehemalige Kardinalpatron des Malteserordens betonte seine Hoffnung, dass Leo XIV. “sich so bald wie möglich mit dieser Frage befasst”.
Burke verwendete den lateinischen Begriff usus antiquior – “der ältere Gebrauch” – für die traditionelle lateinische Messe. Dieser bezeichnet die gesamte öffentliche Gebetspraxis der Kirche vor den Änderungen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, also die Messe, das Stundengebet und die anderweitige Sakramentenspendung.
Hintergrund der liturgischen Spannungen
Die Kontroverse um die traditionelle lateinische Messe, auch Tridentinische Messe oder außerordentliche Form des römischen Ritus bezeichnet, wurzelt in den liturgischen Änderungen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. 1970 führte Papst Paul VI. die neue Messordnung (“Novus Ordo Missae”) ein, die die jahrtausendealte lateinische Liturgie weitgehend ersetzte.
Papst Benedikt XVI. hatte 2007 mit seinem Apostolischen Schreiben “Summorum Pontificum” die Beschränkungen für die traditionelle lateinische Messe gelockert und erklärt, dass diese nie rechtlich abgeschafft worden sei. Das Dokument gewährte Priestern größere Freiheit bei der Feier der lateinischen Messe und bezeichnete sie als “außerordentliche Form” des römischen Ritus.
Restriktive Maßnahmen von Papst Franziskus
Dies wurde jedoch 2021 durch Papst Franziskus mit dem Motuproprio “Traditionis Custodes” rückgängig gemacht. Das Dokument vom 16. Juli 2021 schränkte die Feier der traditionellen lateinischen Messe erheblich ein und übertrug den Diözesanbischöfen die ausschließliche Befugnis, ihre Verwendung zu genehmigen.
Franziskus begründete die Maßnahmen mit einer Notwendigkeit, die kirchliche Einheit zu fördern und Spaltungen zu verhindern. In seinem Begleitschreiben an die Bischöfe warf er Anhängern der traditionellen Messe vor, diese zu nutzen, um Widerstand gegen das Zweite Vatikanische Konzil zu säen.
Burkes Kritik an “Traditionis Custodes”
Kardinal Burke gehört zu den schärfsten Kritikern von “Traditionis Custodes”. In einer 19-Punkte-Erklärung vom Juli 2021 bezeichnete er die Maßnahmen als “hart und revolutionär” und stellte die Frage, ob der Papst überhaupt die Autorität besitze, die traditionelle lateinische Messe zu verbieten.
Burke argumentierte, dass die “Fülle der päpstlichen Macht” nicht bedeute, dass ein Papst “eine liturgische Disziplin vernichten kann, die in der Kirche seit der Zeit von Papst Gregor dem Großen und sogar noch früher lebendig ist”. Er warf Franziskus vor, die Gläubigen der traditionellen Messe als problematisch zu betrachten und ihre Teilnahme als spalterisch zu bewerten.
Burke äußerte bei der Londoner Konferenz den Wunsch, dass Leo XIV. nicht nur “Traditionis Custodes” aufhebe, sondern auch “Summorum Pontificum” wiederherstelle und sogar weiterentwickle: “Ich hoffe dass [Leo] sogar noch weiter ausbauen wird, was Papst Benedikt XVI. so weise und liebevoll für die Kirche erlassen hat.”
Quelle: katholisch informiert

