Die Verschwörung zur Zerstörung der Kirche

Infiltriert

Wurde die Kirche in den vergangenen 150 Jahren von feindlichen Mächten infiltriert? Dieser These geht Taylor Marshall in seinem Buch nach.

Von Wolfram Schrems*

Schon die Warnung Jesu von den „Wölfen im Schafspelz“ (Mt 7,15ff), die Rede des Apostels Johannes von Antichristen, „die aus unserer Mitte kamen, aber nicht zu uns gehörten“ (1 Joh 2,19) und die Erlebnisse des Völkerapostels mit „falschen Brüdern“ (Gal 2,4) sprechen von der Infiltration der Kirche durch die feindliche Macht. Es wird – aufgrund einer unergründlichen göttlichen Zulassung – bis zum Ende der Zeit „Unkraut im Weizen“ geben (Mt 13,24ff). Heute sehen wir das Unkraut dermaßen üppig sprießen, daß man sagen muß: In der kirchlichen Führung hat es längst den Weizen überwuchert. Es ist eine apokalyptische Situation.

Die Päpste des 19. Jahrhunderts waren sich der satanisch inspirierten Angriffe auf die Kirche bewußt. Zu den militärischen Angriffen von außen kam etwa im letzten Drittel des Jahrhunderts die planvolle Unterwanderung von innen dazu. Leo XIII. wußte aufgrund einer Vision darum. St. Pius X. konnte die Subversion behindern und verzögern, aber nicht beenden. Im Hinblick auf die Wirkungsgeschichte des II. Vaticanums können wir sagen, daß die Subversion in den Päpsten Johannes XXIII. und Paul VI. ans offene Tageslicht gekommen ist. Nach abermaliger, aber nur halbherziger Verzögerung durch Johannes Paul II. und Benedikt XVI. ist die Subversion in der Person Jorge Bergoglios auf apokalyptische Weise an ein Zwischenziel gelangt: ein Papst als Zerstörer des Glaubens und Steigbügelhalter antichristlicher Mächte.

Eine Untersuchung dieser Subversion seit der Zeit Leos XIII. wird in vorliegendem Buch geboten.

Der Autor und sein Buch

Taylor Marshall, PhD, geborener Texaner, ist thomistischer Theologe und Philosoph und Autor mehrerer Bücher. Er gründete das New St. Thomas InstituteEr war „Priester“ der anglikanischen Episkopalkirche in den USA (anglikanische Weihen sind gemäß der Bulle Apostolicae curae von Papst Leo XIII. aus dem Jahr 1896 ungültig). Er konvertierte mit seiner Familie im Mai 2006. Mittlerweile hat das Ehepaar acht Kinder.

Marshall gehört zu einer Pfarre der Priesterbruderschaft St. Petrus. Denn nach seiner Konversion hatte er die katholische Tradition entdeckt.

INFILTRIERT, TAYLOR MARSHALL

In hochinteressanten, weithin gesehenen Podcasts geht er, mit prominenten und hochgebildeten Gästen oder alleine, auf theologische Fragen und aktuelle Ereignisse ein. Neuerdings veröffentlichte er Interviews mit einem Priester der Priesterbruderschaft St. Pius X., was zu einem (völlig sinnlosen) Zerwürfnis im Freundeskreis führte.

Im vergangenen Jahr brachte er gegenständliches Buch auf den Markt.

In ihm zeigt er die Unterwanderung der kirchlichen Strukturen durch die feindliche Macht auf. Es geht um den Plan der Alta Vendita, die Botschaft von La Salette (ein sehr schwierig zu durchschauendes Thema), den Angriff auf den Kirchenstaat 1870, die Vision Leos XIII., die Rolle der Geheimgesellschaften, die Botschaft von Fatima, die Konklave ab 1903, die kommunistische Infiltration, das Zweite Vaticanum und die Nouvelle Théologie, den rätselhaften Tod Johannes Pauls I., die Aktivitäten gegen Johannes Paul II. und Benedikt XVI., die Vatikanbank, die St. Gallen-Mafia und das gegenwärtige Pontifikat. Am Ende werden Wege aus der Krise und die geistlichen Waffen des Christen aufgezeigt.

Um es vorwegzunehmen: Das Buch ist gut und wichtig. Es erreicht sein Ziel, die fraglos vorangetriebene Infiltration der Kirche auf dem Weg der Indizien aufzuzeigen. Das gegenwärtige Schreckenspontifikat ist für jedermann erkennbar ein Resultat dieser langen Wühlarbeit.

Allerdings ist das Buch an manchen Stellen schlampig gearbeitet und inhaltlich oberflächlich.

Damit zum Thema:

Infiltration: ein unbestreitbarer roter Faden

Weihbischof Athanasius Schneider spricht in seinem Vorwort das Offenkundige aus:

„Aufgrund fehlenden Quellenmaterials und des Umstands, dass die relevanten vatikanischen Archive der Forschung immer noch verschlossen sind, müssen mancherlei Aufstellungen dieses Buches (wie etwa die Begleitumstände des Todes Papst Johannes Pauls I.) Hypothesen bleiben. Anderes jedoch lässt das, was angeführt wird, einen ganz bestimmten »roten Faden« innerhalb der letzten eineinhalb Jahrhunderte der Kirchengeschichte erkennen“ (15).

Der Ausgangspunkt: die „Ständige Anweisung“ der Alta Vendita

Marshall berichtet über die „Ständige Anweisung der Alta Vendita“ (25), die bereits vor 1859 der kirchlichen Autorität bekannt geworden war. Alta Vendita, „vornehmes Geschäft“, ist die Hauptloge des italienischen Geheimbundes der Carbonari („Köhler“). Bei der „Ständigen Anweisung“ handelt es sich um Zielvorstellungen der Umwandlung der Katholischen Kirche in eine liberale, weltliche Organisation im Dienst einer weltumspannenden Macht.

Von besonderer Bedeutung ist die in der Anweisung formulierte Zielvorstellung über die Gewinnung eines willfährigen Papstes:

Taylor Marshall

„Der Papst, wer immer es auch sei, wird nie zu den Geheimgesellschaften kommen. Es ist Sache der Geheimgesellschaften, den ersten Schritt auf die Kirche hin zu tun, mit der Absicht, beide in Fesseln zu schlagen. Die Arbeit, an die wir uns machen wollen, ist nicht das Werk eines Tages, noch eines Monats, noch eines Jahres. Sie kann mehrere Jahre dauern, vielleicht ein Jahrhundert; aber in unseren Reihen fällt der Soldat und der Kampf geht weiter“ (31).

Der Autor dieses Manifestes mit dem Decknamen „Kleiner Tiger“ fährt fort:

„Um also einen Papst nach unserem Herzen zu machen, müssen wir diesem Papst eine Generation heranbilden, die der Herrschaft, die wir erträumen, würdig ist. Lasst das Alter und die reifen Jahre beiseite, haltet euch an die Jugend und, wenn es möglich ist, sogar an das Kindesalter“ (ebd.)

Zu diesem Zweck sollen die Seminare, Hochschulen und Ordenshäuser unterwandert werden.

Wie wir sehen, ist das weitgehend gelungen.

Die himmlische Warnung: die Vision Leo XIII. – und die Indizien der Infiltration

Papst Leo XIII. wurde am 13. Oktober 1884 eine Vision zuteil, in der der sah, wie der Teufel Jesus herausfordert (51ff). Er könne die Kirche zerstören, aber er brauche mehr Zeit und mehr Macht über die, die ihm dienen. Dieses wird ihm zugestanden. Marshall verweist auf das Buch Hiob, in dem eine solche Herausforderung durch den Satan bereits dargestellt wird (Hiob 1,6ff). Papst Leo sah auch, wie Dämonen sich über Rom versammeln (36).

Es scheint jedenfalls so zu sein, daß ab diesem Zeitpunkt die Infiltration der Kirche mit satanischer Raffinesse angegangen worden war. Marshall behandelt Vorgänge, die man als Indizien für diese Infiltration betrachten kann. Hier eine Auswahl:

Er thematisiert den militärischen Angriff der carbonari auf den Kirchenstaat im Jahr 1870 (46).

Leo XIII., Papst von 1878 bis 1903

Danach geht es um die Botschaft von Fatima (74), wobei das konspirative Lügengespinst um sie herum (die entgegen offiziöser Aussagen nie ordnungsgemäß durchgeführte Weihe Rußlands, die Unterdrückung des dritten Geheimnisses im Jahr 1960 und das 2000 unvollständig veröffentlichte dritte Geheimnis (132) erfreulich ausführlich thematisiert wird.

Im Zusammenhang mit der Subversion der Kirche durch Stalin zitiert Marshall Bella Dodd (104) und Manning Johnson (107) als ehemalige kommunistische Agenten, die eine planvolle Unterwanderung der Priesterseminare gestanden.

Marshall stellt weiters die Infiltration der Kirche durch Theologen dar, die im frühen 20. Jahrhundert häretische Lehren einführen („Modernismus“). Diese werden vom hl. Pius X. und später in Humani generis von Pius XII. (1950) verurteilt, aber am Zweiten Vaticanum positiv rezipiert und sind heute in der kirchlichen Bürokratie allgegenwärtig. Das wahre kirchliche Leben haben sie erfolgreich abgewürgt.

Wichtig ist Marshalls Hinweis auf die konspirative Kontaktaufnahme Giovanni Battista Montinis hinter dem Rücken von Pius XII. mit der Sowjetunion und dessen gute Beziehung als Papst Paul VI. zu dem einflußreichen jüdisch-amerikanischen Marxisten Saul Alinsky (133) und dem Finanzberater Michele Sindona, genannt der Hai (nach Marshall ein „Scheusal“, 190). Auf diesem Hintergrund ist die Heiligsprechung des Montini-Papstes unverständlich.

Und schließlich sind die Vorgänge um die Vatikanbank und die geleakten Vatikan-Dokumente (240) sowie das Bekanntwerden der konspirativ agierenden St. Gallen-Mafia (220), die die Wahl des Verwirrerpapstes Franziskus erreichte, und die Aufdeckung der Greueltaten von Ex-Kardinal Theodore McCarrick, Indizien der Infiltration in unserer eigenen Zeit.

Diese Analyse ist nachvollziehbar und baut auf bereits bekannten Publikationen auf.

Nichtsdestotrotz hat sie einige Schwächen:

Kritik

Marshall erwähnt erstens die Intervention von Kaiser Franz Joseph beim Konklave 1903 gegen eine Wahl von Kardinal Mariano Rampolla, dem Staatssekretär des eben verstorbenen Papstes Leo XIII. (62), sagt aber nichts zum Grund dieses Vorgehens, verfehlt also gleichsam die Pointe. Mark Fellows schreibt dazu in Fatima in Twilight (eigene Paraphrase): Dem Kardinal wurde vorgeworfen, Mitglied einer Geheimgesellschaft zu sein (Ordo Templi Orientis). Ein französischer Priester namens Msgr. Ernest Jouin läutete die Alarmglocke. Der Kardinal bestritt die Vorwürfe, aber es half nichts. Gewählt wurde Giuseppe Sarto, Pius X., der als Papst das Vetorecht des Kaisers abschaffte. Es ist unverständlich, daß Marshall darauf nicht eingeht. Aus der Natur der Sache geht hervor, daß man nicht mit letzter Sicherheit über die Verbindungen Rampollas wissen kann: Mark Fellows schreibt, daß er diese Geschichte in zwei Büchern fand, die aber ihrerseits keine Belege anführen. Andererseits bietet Fellows noch eine für das Thema interessante Information in diesem Zusammenhang: Kardinal Rampolla, der als extrem „progressiv“ galt, hatte großen Einfluß auf einen Priester namens Giacomo Radini Tedeschi, der 1905 Bischof von Bergamo wurde. Dieser wiederum war der Mentor eines anderen Kirchenmannes, der großen, und zwar verheerenden Einfluß auf die Kirche ausüben sollte, nämlich Angelo Roncalli, später Johannes XXIII. Es ist unverständlich, daß Marshall darauf nicht eingeht.

Zweitens ist zu kritisieren, daß Marshall in der Frage liturgischer Änderungen (ab der Reform der Osternacht unter Pius XII. 1951) ziemlich schlampig arbeitete (128). Einerseits geht es um Erzbischof Annibale Bugnini, den späteren „Architekten“ der fälschlich so genannten „Liturgiereform“. Dieser war nach Auskunft des US-Theologen Peter Kwasniewski (ein Vordenker des New Liturgical Movement) zur Zeit Pius XII. noch bei weitem nicht so einflußreich wie unter Paul VI. Kevin Symonds, ebenfalls amerikanischer Theologe, sagt dazu, daß Marshall die Mitgliedschaft Bugninis bei den Freimaurern viel zu früh ansetzt (110), aber eine wichtige Evidenz zugunsten der späteren Mitgliedschaft Bugninis übersieht.

Andererseits geht es um die Chronologie und Logik liturgischer Reformen oder Änderungen selbst. Die Verlegung der Osternachtsfeier (nicht: „Karsamstagsliturgie“) auf den Abend des Karsamstags durch Pius XII., eine durchaus sinnvolle Re-Form im eigentlichen Wortsinn, als Ausgangspunkt für den ganzen Wahnsinn des Novus Ordo Missae ab 1970 zu sehen, zeugt nicht von Verständnis für die Sache auf Seiten Marshalls.

Drittens unterliegt Marshall einem weitverbreiteten Irrtum, wenn er Pius XII. einfachhin als „Papst von Fatima“ tituliert. Pius XII. führte weder die Weihe Rußlands ordnungsgemäß durch noch promulgierte er die Feier der Sühnesamstage. Ab etwa der zweiten Hälfte des Jahres 1952 thematisierte er Fatima praktisch gar nicht mehr (!). Marshall anerkennt das allerdings selbst: „Es ist schwierig zu verstehen, warum Papst Pius XII. in seinen späten Jahren einen liberaleren Kurs verfolgte“ (131).

Viertens ist Marshall relativ schlampig, was Details oder historische Einschätzungen betrifft:

Die schlesisch-polnische Herkunft von Pius X. gehört ins Reich der Legende(64). Der 13. Mai 1917 war nicht der Fronleichnamstag (78). Marshall untertreibt die Greuel der kommunistischen Kirchenverfolgung in Spanien massiv (104). Die Regierung Francos nach 1939 in einem Atemzug mit Deutschland und Italien als „Faschismus“ zu bezeichnen (105), ist falsch. „1917“ kann im Zusammenhang mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit der Sowjetunion durch Pius XI. nicht stimmen. Es muß richtig „1927“ heißen (115). Das II. Vatikanische Konzil begann 1962, nicht 1963 (108) u.a.

Der Verlag machte zwar korrigierende oder ergänzende Anmerkungen zum Text (besonders zu Kardinal Frings, 282), übersah aber selbst manche – in der Meinung des Rezensenten – inhaltliche Schwächen.

Resümee

Es ist verdienstvoll, daß der Renovamen-Verlag eine deutsche Ausgabe dieses trotz genannter Schwächen wichtigen Buches besorgte. Wie gesagt: Die Infiltration der Kirche wird plausibel aufgezeigt, somit können zeitgenössische Fehlentwicklungen gewissermaßen „erklärt“ werden (soweit das Mysterium iniquitatis, 2 Thess 2,7, eben erklärbar ist).

Man wird davon ausgehen können, daß die offiziellen Kirchenstrukturen des deutschen Sprachraums das Buch ignorieren werden. Auch manche frommen und „konservativen“ Publikationen und Initiativen werden davon zurückscheuen.

Leider finden sich wieder manche Verschreibungen und Holprigkeiten, die dem Lektorat entgangen sind. Der Rezensent empfiehlt auch, aus Gründen besserer Lesbarkeit die Anmerkungen in Fußnoten auf der jeweiligen Seite statt in Endnoten am Ende des Buches unterzubringen.

Dessenungeachtet ist dem Buch große Verbreitung zu wünschen. In der gegenwärtigen Kirchenkrise sollten es besonders Priester und Bischöfe konsultieren und ihre Konsequenzen daraus ziehen.

Taylor R. MarshallInfiltriert – die Verschwörung zur Zerstörung der Kirche, Vorwort von Weihbischof Athanasius Schneider, Renovamen-Verlag, Bad Schmiedeberg 2020, 306 S. (Original: Infiltration – The Plot to Destroy the Church from Within, Sophia Institute Press, Manchester NH, USA, 2019)

*Wolfram Schrems, Mag. theol., Mag. phil., Katechist, Pro-Lifer; viele Erfahrungen, die die Grundthese des Buches plausibel erscheinen lassen.

Quelle: katholisches Bild: Verlag/taylormarshall.com/MiL (Screenshot)

Tagesevangelium 01.10.2020

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas – Lk 10,1-12

Hier zum Nachhören

In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere Jünger aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte. Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden. Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemand unterwegs! Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus! Und wenn dort ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr ihm wünscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren. Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes!
Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt.
Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe.
Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, in der man euch nicht aufnimmt, dann stellt euch auf die Straße und ruft: Selbst den Staub eurer Stadt, der an unseren Füßen klebt, lassen wir euch zurück; doch das sollt ihr wissen: Das Reich Gottes ist nahe. Ich sage euch: Sodom wird es an jenem Tag nicht so schlimm ergehen wie dieser Stadt.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé

Namenstage 29. September


Erzengel

Das biblische Wort für Engel bedeutet „Bote“: nach Hebr 1, 14 sind die Engel Geister, die im Dienst Gottes stehen und die er denen zu Hilfe schickt, die gerettet werden sollen. Im Alten Testament werden die En­gel auch als „Heilige“ oder als „Söhne Gottes“ bezeichnet. Unter ih­nen werden die Kerubim und die Serafim (Einzahl: Kerub und Seraf) besonders hervorgehoben. Einzelne werden mit Namen genannt: Mi­chael („Wer ist wie Gott?“). Gabriel („Kraft Gottes“ oder „Held Gottes“), Rafael („Gott heilt“). – Das heutige Engelfest ist ursprünglich das Wei­hefest der Kirche des hl. Michael an der Via Salaria in Rom. Mit Mi­chael zusammen werden jetzt auch Gabriel und Rafael gefeiert, die im früheren Kalender eigene Gedenktage hatten (24. März und 24. Okto­ber).
http://www.erzabtei-beuron.de/schott/proprium/September29.htm


Sel. Johannes von Dukla OFM
* 1414 in Dukla in Polen
† 29. September 1484 in Lemberg in Polen, heute L’viv in der Ukraine
Johannes studierte der Überlieferung nach in Krakau und lebte dann einige Jahre lang als Einsiedler in den Wäldern um Dukla, um sich auf das Leben im Kloster vorzubereiten. Um 1437 trat er – wohl in Krosno – in den Franziskanerorden ein, wurde Oberer in den Klöstern von Krosno und L’viv. 1463 schloss er sich dem strengeren Ordenszweig der Bernhardiner an, er wollte mehr in Ruhe und Zurückgezogenheit leben. Bekannt wurde Johannes als Volksprediger und als Beichtvater, er war ein großer Verehrer der Maria. Weithin gerühmt wurde er ob seiner Heilkraft. Eine Frau, die schon 10 Jahre lang blind war, soll durch ihn ihre Sehkraft wiedererhalten haben. Zum Ende seines Lebens verlor er selbst sein Augenlicht. Nach seinem Tod wurde Johannes schon bald verehrt, galt vor allem den Mönchen als Vorbild und wurde von den Menschen in verschiedenen Nöten angerufen, zum Beispiel im Krieg. An Johannes‘ Grab wurde bald nach seinem Tod ein wundersames Licht gesehen. Ein kranker Mönch mit schwerem Fieber wurde nach Johannes‘ Tod in desen Bett gelegt und sofort wieder gesund. Bis heute ist Johannes einer der am meisten verehrten Heiligen in Polen. Im Jahr 1769 erschien Johannes der Maria Amelia im Traum und trug ihr auf, in dem Wald bei Dukla, wo er als Einsiedler gelebt hatte, eine Kapelle zu bauen; noch heute wird dieser Ort wegen seines heilkräftigen Wassers von Pilgern besucht. Johannes‘ Reliquien sind heute in Dukla.
http://www.heiligenlexikon.de


Hl. Liutwin (Lutwin) von Trier
† zwischen 717 und 723 in Reims in Frankreich
Der adlige Liutwin, Neffe von Bischof Basin von Trier, hatte zunächst nicht die Absicht, in den Klerikerstand einzutreten und wirkte am frankischen Hof als Beamter. Nach dem Tod seiner Frau wurde er Priester. Er gründete 690 das Benediktinerkloster Mettlach auf seinem Besitz. 697/698 wurde er von seinem Onkels zum Bischof geweiht und nach dessen Tod 705 sein Nachfolger als Bischof von Trier; als Freund von Karl Martell erhielt er auch die Bistümer Reims und Laon. Den Trierer Abteien St. Eucharius und St. Paulin schenkte er Land.
Liutwins Nachfolger als Bischof von Trier wurde sein Sohn Milo. Liutwins Reliquien ruhen in der um 990 von Abt Lioffin als Grabkirche für Liutwin erbauten Marienkirche in Mettlach, heute Alter Turm genannt. Diese Kirche in Form eines Oktogons – nach dem Vorbild des Aachener Doms – ist heute das älteste erhaltene Bauwerk des Saarlands. Die Verehrung Liutwins ist schon ums Jahr 1000 bezeugt.
www.heiligenlexikon.de


Hl. Konrad von Zähringen
* um 1180 in Urach in Baden-Württemberg
† 29. September 1227 in Rom
Konrad, Sohn des Grafen von Urach, wurde 1200 Zisterziensermönch und 1209 Abt des Klosters in Villers – dem heutigen Villers-la-Ville – in Brabant. 1214 wurde er Abt in Clairvaux – im heutigen Longchamp-sur-Aujon, 1217 in Cîteaux – dem heutigen St-Nicolas-lès-Cîteaux. Er war Ratgeber von Papst Honorius III., der ihn zum Kardinalbischof von Porto und S. Rufino ernannte. Hier engagierte er sich im Kampf gegen die Albigenser, warb für den Kreuzzugund um eine erneuerte Ordnung in den Klöstern und unter dem Klerus. Legenden berichten, wie die Finger von Konrads linken Hand geleuchtet haben, damit er auch des Nachts schreiben konnte. Das ihm angetragene Papstamt habe er abgelehnt.
www.heiligenlexikon.de

Namenstage 28. September


Hl. Lioba
* um 700/710 in Wessex in England
† 28. September (?) 782 in Schornsheim bei Mainz in Rheinland-Pfalz
Lioba stammte aus einer guten Familie in Wessex: ihre Mutter Ebba war mit dem hl. Bonifatius verwandt. Dem Ruf des Bonifatius folgend, verließ Lioba mit einer kleineren Gruppe von Schwestern ihr Kloster Wimborne und kam auf das Festland herüber, um die Missionsarbeit des hl. Bonifatius zu unterstützen. Lioba wurde (um 735) die erste Äb­tissin von Tauberbischofsheim. Die Zahl der Schwestern vermehrte sich rasch, und Lioba sorgte dafür, dass alle neben den Arbeiten in Haus und Handwerk auch eine gute geistige Ausbildung erhielten. Sie selbst, eine schöne und gütige Frau, war eine beliebte Lehrerin und Er­zieherin. Bonifatius schätzte sie hoch. Als er 754 zur Friesenmission aufbrach, empfahl er sie dem Wohlwollen der Mönche von Fulda und ordnete an, dass man sie neben ihm begraben solle. Lioba starb am 28. September 782 und wurde in Fulda begraben.
http://www.erzabtei-beuron.de/schott/proprium/September28_2.htm


Hl. Wenzel
* um 905 in Altbunzlau an der Elbe, heute Stará Boleslav in Tschechien
† 28. September 935 (oder 929) daselbst
Wenzel (Wenzeslaus, Václav) wurde um 905 als ältester Sohn des böhmischen Herzogs Wratislaw geboren. Seine Großmutter, die hl. Ludmilla, sorgte dafür, dass er eine gute Erziehung erhielt. Ein Jahr nach dem Tod seines Vaters wurde Wenzel trotz des Widerstandes des zum Teil noch heidnischen Adels 922 Herzog von Böhmen. Beim Volk war er wegen seiner Frömmigkeit und Gerechtigkeit beliebt. Er bemühte sich um die kulturelle und religiöse Hebung seines Landes und den Anschluss an die abendländische Kulturgemeinschaft. Über die Gründe seiner Ermordung am 28. September 929 (oder 935) besteht keine Klarheit. Sicher ist, dass er im Adel eine starke Opposition hatte und dass sein jüngerer Bruder Boleslaw nach der Herrschaft strebte. Wenzel wurde schon bald nach seinem Tod vom Volk als Märtyrer verehrt und ist noch heute der Nationalheilige der Tschechen.
http://www.erzabtei-beuron.de/schott/proprium/September28_1.htm


Hl. Adalrich
* in Schwaben
† 29. September 973 auf der Insel Ufenau * im Zürichsee in der Schweiz
Adalrich war ein Sohn des Herzogs Burkhard I. von Schwaben und der Reginlind von Schwaben. Er wurde Mönch in Einsiedeln und lebte dann als Einsiedler auf der Insel Ufenau im Zürichsee, zusammen mit seiner Mutter Reginlinde, die Äbtissin des Fraumünsters in Zürich war und sich nach ihrer Erkrankung mit Lepra auf die Insel zurückzog. Sie stiftete auf der Insel die Martinskapelle und die Pfarrkirche St. Peter und Paul, an der Adalrich als Leutpriester wirkte und den Menschen Hilfe – auch durch Wundertaten – erwies, wodurch sich die Insel zum weithin ausstrahlenden Anziehungspunkt für Pilger entwickelte. 965 überließ Kaiser Otto I. die Insel Ufenau dem Kloster Einsiedeln.
* Der korrekte Name ist Ufnau und wird vom Kloster offiziell wieder verwendet, allgemein durchgesetzt hat sich aber die Bezeichnung Ufenau.

http://www.heiligenlexikon.de


Hl. Chuniald und Hl. Gislarius
* in Frankreich (?)
† 1. Hälfte des 8. Jahrhunderts (?) in Österreich (?)
Chunialdus kam zusammen mit Gislarius als Schüler und Helfer des Rupert von Salzburg um 717 nach Bayern. Sie waren vermutlich Priester fränkischer Herkunft und wirkten der Überlieferung nach als Glaubensboten bei den Awaren in der Gegend um Wien. Über ihr weiteres Wirken und ihren Tod, wohl 1.Hälfte des 8. Jahrhunderts, sind keine Berichte vorhanden. Bischof  Virgil von Salzburg überführte ihre Gebeine zusammen mit denen Ruperts in den neuerbauten Dom. Die Legende lässt sie als Glaubensboten in  Niederösterreich wirken und schreibt ihnen die Erbauung des ältesten Wiener Gotteshaus, der Rupertikirche, zu.
http://www.heiligenlexikon.de


Hl. Salonius
* um 400 in Lyon in Frankreich
† nach 451 in Genf in der Schweiz
Salonius, Sohn des hl. Senators und nachmaligen Bischofs Eucherius von Lyon (Gedenktag 16.11)wurde zusammen mit seinem Bruder Veranus im Kloster auf den Lérins-Inseln ausgebildet, wohin sich Eucherius mit seiner Familie zurückgezogen hatte. Vor 441 wurde er Bischof von Genf. Er nahm 441 am Konzil in Orange, 442 an der Synode von Vaison – dem heutigen Vaison-la-Romaine – und 451 an der in Arles teil. Ein Dankesbrief aus dem Jahr 450 von ihm und Kollegen im Bischofsamt an Papst Leo I. ist erhalten.
Salonius verfasste allegorische Auslegungen zu biblischen Texten. Unter seinem Namen veröffentlichte 1532 der Humanist Johannes Brassicanus exegetische und dogmatische Schriften.
www.heiligenlexikon.de


Hl. Simón de Rojas
* 28. Oktober 1552 in Valladolid in Spanien
† 28. September 1624 in Madrid in Spanien
Simon trat im Alter von 16 Jahren in seiner Heimatstadt in den Trinitarierorden ein, studierte ab 1573 Theologie und Philosophie in Salamanca und wurde zum Priester geweiht. Ab 1581 war er in Toledo als Dozent am Ordenskolleg tätig, dann als Prior in verschiedenen Klöstern in Kastilien, 1621 wurde er zum Ordensprovinzial für Kastilien ernannt. Er wirkte auch als Hofkaplan und Berater von König Philipp II. und Erzieher für Philipp IV. in Madrid. Mehrere ihm angetragene Berufungen als Bischof lehnte er ab.
Simon setzte sich in allen Ämtern für die Fürsorge für Arme ein und betätigte sich in den Armenvierteln in Madrid. Besonderes Anliegen war ihm aber die Förderung der Gebetspraxis und der Marienfrömmigkeit. Im Jahr 1611 gründete er hierzu die Kongregation der Diener des süßesten Namens Maria; diese wurde auch von Ludwig Maria Grignion de Montfort unterstützt und hatte eine wichtige Rolle in der Ausgestaltung der Marienfrömmigkeit.

http://www.heiligenlexikon.de


Hl. Thiemo
* um 1040 in Bayern (?)
† 28. September 1101 in Ashqelon in Israel
Thiemo aus der Adelsfamilie der Grafen von Formbach wurde im Benediktinerkloster in Niederaltaich erzogen. Er wurde Mönch, dann Abt im Kloster St. Peter in Salzburg. Als Anhänger der Reformen im Orden wurde er 1081 vertrieben und lebte bis 1085 im Kloster Hirsau. 1090 wurde er durch die papsttreue Partei zum Erzbischof von Salzburg gewählt. Im Kloster Admont führte er nun die Reformen ein, 1095 nahm er an der Synode in Piacenza teil und weihte dort im Auftrag von Papst Urban II. Arnold zum Erzbischof von Mailand.
Im Investiturstreit stand Thiemo auf der Seite des Papstes, unterlag in der Schlacht bei Saaldorf 1097 dem kaiserlichen Gegenbischof Berthold von Moosburg und wurde in Kärnten von kaisertreuen Adligen gefangen genommen; er konnte aber fliehen, ging ins Exil und nahm am 1101 am 1. Kreuzzug teil. Dabei erlitt er den Märtyrertod, indem ihm die Gedärme aus dem Leib gezogen wurden.

http://www.heiligenlexikon.de


Lorenzo Ruiz de Manila † Japan In der ersten Hälfte des 17. Jh.s (in den Jahren 1633–1637) vergossen 16 Märtyrer, nämlich Lorenzo Ruiz und seine Gefährten, in der japanischen Stadt Nagasaki aus Liebe zu Christus ihr Blut. Zu diesen Märtyrern, die dem Dominikanerorden angehörten oder ihm verbunden waren, gehörten neun Priester, zwei Ordensbrüder, zwei Jungfrauen und drei Laien, unter ihnen Lorenzo Ruiz, ein von den Philippinen stammender Familienvater. Sie alle haben, wenn auch zu verschiedener Zeit und unter unterschiedlichen Bedingungen, zur Verbreitung des christlichen Glaubens auf den Philippinen, auf Formosa und auf den japanischen Inseln beigetragen. Als herausragende Künder und unbesiegbare Zeugen der Universalität des Christentums säten sie durch das Zeugnis ihres Lebens und Sterbens den Samen des späteren Christentums in Ostasien in reichem Maße aus.

Tagesevangelium 30.09.2020

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas – Lk 9,57-62

Hier zum Nachhören

In jener Zeit als Jesus und seine Jünger auf ihrem Weg weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben. Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes! Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen. Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé

Tagesevangelium 29.09.2020

Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes – Joh 1,47-51

Hier zum Nachhören

In jener Zeit sah Jesus Natanaël auf sich zukommen und sagte über ihn: Da kommt ein echter Israelit, ein Mann ohne Falschheit. Natanaël fragte ihn: Woher kennst du mich? Jesus antwortete ihm: Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen.
Natanaël antwortete ihm: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel!
Jesus antwortete ihm: Du glaubst, weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah? Du wirst noch Größeres sehen. Und er sprach zu ihm: Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé

Tagesevangelium 28.09.2020

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas – Lk 9,46-50

Hier zum Nachhören

In jener Zeit kam unter den Jüngern die Frage auf, wer von ihnen der Größte sei.
Jesus wusste, was in ihrem Herzen vorging. Deshalb nahm er ein Kind, stellte es neben sich
und sagte zu ihnen: Wer dieses Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Denn wer unter euch allen der Kleinste ist, der ist groß. Da sagte Johannes: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb, und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er nicht mit uns zusammen dir nachfolgt. Jesus antwortete ihm: Hindert ihn nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, der ist für euch.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé